SPIEGEL-Erklärbär erklärt „bürgerlich“.

Ja, die Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen haben nicht nur die Konsenspolitiker in Aufruhr versetzt, sondern auch den medialen Einheitsblock. Nein, es waren nicht die vorhersehbaren Verluste von CDU und SPD, sondern, dass versehentlich das Wort „bürgerlich“ mit der AfD in Verbindung gebracht wurde. Großalarm! Nachdem der Schaum von den Mündern abgetropft war, musste natürlich noch eine Erklärung nachgeschoben werden für die intellektuelle Mitte, damit sie auch mitreden kann (darf). Den Vorverdauungstrakt für den eingenordeten liberalen Demokraten übernahm der SPIEGEL. Der Steffen, die Barbara und der Clemens, also die Chefredakteure, meinten in der Konferenz, man bräuchte noch einen Erklärbär, dass die AfD keine bürgerliche Partei sei und das wollte dann unbedingt der Minkmar Nils machen, weil er schon in der Schule tolle Aufsätze schreiben konnte.  Nils machte sich gleich an die Arbeit, kam aber gleich wieder zum Steffen, weil auf Wikipedia unter bürgerliche Partei steht:

Wesentliche Merkmale sind der Vorrang des einzelnen Staatsbürgers gegenüber dem Staat, die Betonung der Subsidiarität, der Schutz von Eigentum und eine zurückhaltende Steuer- und Defizitpolitik. In der Bildungspolitik wird meist ein differenziertes Schulsystem vertreten, in weiteren Merkmalen ist das Parteienspektrum jedoch uneinheitlich.

Ja, das trifft jetzt blöderweise alles auf die AfD zu, weil die hält weder was von der Enteignung von Dieselfahrzeugen oder Mietwohnungen für eine ominöse Weltenrettung oder zur Bekämpfung der Wohnungsnot, bekämpft die EU als Gegenentwurf zu jeglicher Subsidiarität, ist gegen Phantasiesteuern wie EEG-Umlage oder CO2-Abgabe und tritt für das dreigliedrige Schulsystem ein.

Da hat der Steffen nur mit den Augen gerollt und gemeint, es solle ja kein klassischer Schulaufsatz werden. Es reicht, wenn jeder schon in der Überschrift kapiert, dass die AfD keine bürgerliche Partei sei, den Rest lesen eh die wenigsten. Irgendwas mit rechtsextrem geht immer, bisschen was Historisches und Philosophisches dazu, usw. blabla und der Ausdruck „bürgerliche Partei“ kommt eben dann einfach nicht vor. So einfach ist das. Da war der Nils ganz glücklich und hat sich gleich an die Überschrift gemacht:

AfD nennt sich „bürgerlich“

Das ist Bürgerbeleidigung

AfD-Leute inszenieren sich nach ihren Wahlerfolgen als „Vertreter des Bürgertums“. Dabei stehen sie für das genaue Gegenteil. Warum wir den Begriff nicht kampflos preisgeben dürfen.

Passt! In der Einleitung kommt erst, was sich „die Menschen“ fälschlicherweise unter bürgerlich vorstellen bzw. welche wilden Assoziationen sie angeblich haben, damit der Erklärbär überhaupt einen Grund hat zu erklären. Dann macht er dem Leser einen Wink, dass er auch schon mal ein Buch gelesen hätte und so intellektuell genug wäre, anderen etwas zu erklären. Wie aufgetragen spielt er dann die rechtsextreme Platte und scheibt dann ein bisschen was Historisches von Wikipedia ab. Rauskommen tut, dass Bürger ein Ehrentitel sei, der die Fähigkeit hat an der Verteidigung mitzuwirken und Teil einer Gemeinde ist und der hat, jetzt kommt das Philosophische, eine bürgerliche Weltanschauung. Herodot berichtet über ein Gespräch zwischen Solon mit König Krösus, welche nach der glücklichsten Person fragt:

(…) Sein Glück bestand darin, führt Solon aus, als respektierter Bürger in einer Stadt gelebt zu haben, eine Familie gegründet und Kinder großgezogen zu haben und schließlich im Kampf um die Verteidigung der Stadt ehrenvoll gefallen zu sein.

Ja, und was leitet der kleine Nils davon ab:

Bürgerlichkeit, so Herodots einschlägiges Urteil, erweist sich im Kontrast zur Despotie immensen Reichtums. Bewegungen, die von Multimillionären angeführt werden oder den schwerreichen russischen Präsidenten verehren, sind nicht bürgerlich. Donald Trump führt kein bürgerliches Leben, Putin tut es auch nicht. Beide eifern Krösus nach – Bewegungen und Parteien ihres Spektrums sind daher nicht bürgerlich.

Hmm. Zumindest bei Trump kann ich mich erinnern, dass der eine Familie hat, Kinder, als Bürger immens fleißig war und so auch zu Reichtum kann, sodass er auf sein Gehalt als Präsident verzichtet hat. Als Gegenentwurf fallen mir die Führungskräfte der SPD und der Grünen ein: Schwul, lesbisch oder kinderlos, keine oder nur Abschlüsse in sinnfreien Laberstudien, ein Leben lang nur von Eltern und von Steuergeldern schmarotzt, karrieregeil und mit dem Hang in der eigenen Schleimspur noch rücksichtslos und intrigant genug zu bleiben, den einmal eroberten Futtertrog zu verteidigen. Und, weil der SPIEGEL Trump und Putin jahrelang als Ausgeburt des Bösen aufgebaut hat, kann man deren Anhänger natürlich auch gleich in die anti-bürgerliche Tonne treten. Bei den SPIEGEL-Lesern hats keiner gemerkt, dass dadurch 2016 die Hälfte der Amerikaner auf einen Schlag ihre Bürgerrechte verloren haben.

Weder Macht noch Gold beeinflussen das bürgerliche Urteil, im Gegenteil. Darum waren die Faschisten, Nationalsozialisten, Stalinisten und Maoisten nicht bürgerlich: In diesen Bewegungen war Macht alles, die Ideologie oder Weltanschauung nur Mittel zum Zweck des Machterhalts. Bürgerlich hingegen ist ein Leben in einer Gemeinde oder Gemeinschaft, also das Miteinander und die Achtung darauf, was die Nachbarn von dir halten – in solch einer Gesellschaft strebt keiner nach einem Monopol an Macht oder Reichtum.

Bei den Anti-bürgerlichen ist Macht alles, die Ideologie oder Weltanschauung nur Mittel zum Zweck des Machterhalts? Seit Jahren werden wir von dem ganzen neomarxistischen und links-grün-ideologischen Krimskrams zugemüllt, uns wird eine Klima-Ideologie aufs Auge gedrückt, um unsere bürgerliche Freiheit einzuschränken. Alles Bürgerliche, Familie, eigene Kinder, die Fähigkeit zur Verteidigung des Eigenen oder gar des eigenen Landes, die Forderung, dass das Subsidiaritätsprinzip beibehalten wird, all das wird aus links-ideologischen Gründen als völkisch, rechtsextrem und ewiggestrig diffamiert. Und all das dient nur dazu, damit die Vollblut-Ideologen in der Politik und den Medien als nichtsnutzige Laberkasper weiter von Steuergeldern und GEZ schmarotzen können. Wie gesagt, Ideologie als Mittel zum Zweck des Machterhalts.

An dieser Stelle dürfte dem einen oder anderen SPIEGEL-Leser das Gleiche gedämmert haben, darum hat der Erklärbär schnell eine Zwischenüberschrift nachgeschoben, um den Leser wieder auf Linie zu bringen:

Die Gegenwart: Populisten sind nicht bürgerlich

Darum kann eine populistische Partei nie bürgerlich sein: Ihre Rhetorik, beispielsweise die Warnungen vor Überbevölkerung, dem Untergang des Abendlandes oder die These vom drohenden großen Bevölkerungsaustausch – all das dient allein dem Zweck, die Zuhörerinnen und Zuhörer emotional aufzuwühlen.

Denselben Zweck verfolgt die symbolische Überhöhung einzelner Verbrechen oder Unglücke zu einer Welle von Messerangriffen: Affekte schüren ist niemals bürgerlich – die Mäßigung der Affekte, die Differenzierung und Sachlichkeit ist bürgerlich.

Wie man das jetzt von Solon und Krösus ableiten kann, weiß ich jetzt auch nicht, aber SPIEGEL-Schreiber wissen sicher noch mehr als ihre Leser. Die Mäßigung der Affekte, die Differenzierung und die Sachlichkeit dürften bei den Links-grünen am wenigsten zu finden sein. Wenn es um die Mäßigung der Affekte geht, dann braucht man sich nur die hochroten Köpfe von Hofreiter oder Ulli Nissen im Bundestag ansehen, die jeden, der ihren Klimaphantasien sachlich begegnet mit Nazi abbügeln, was bei denen ein parteiübergreifendes Phänomen ist.

(…)Dasselbe gilt für die Toleranz: Solon ist zu Gast bei Krösus, versucht ihn im Dialog zu informieren und aufzuklären – er übertreibt es aber damit nicht. Es ist nicht bürgerlich, anderen die eigene Weltanschauung aufzunötigen.

Es ist nicht bürgerlich, anderen die eigene Weltanschauung aufzunötigen? Toll, da sind also in den letzten Jahren 3 Millionen bei uns eingewandert, die aufgrund des Alleinherrschaftsanspruch des Islam niemals bürgerlich sein werden und die sich zu den anti-bürgerlichen gesellen, die uns ein öko-sozialistisches und feministisches Paradies aufnötigen wollen mit Haferschleimpartys im Windpark und Gendersternchen unter der Governance der EUdSSR.

Ja, jetzt habe ich mich ganz umsonst über den kleinen Nils aufgeregt. Der Nils ist nämlich schon ein Profi-Erklärbär, denn der SPIEGEL-Leser erklärt sich durch Erklärbärs ganzes pseudo-intellektuelles Geschwurbel die Welt selbst, genauso wie es sich der SPIEGEL wünscht : AfD ist nicht bürgerlich – also Linke, Grüne, SPD und CDU sind deshalb bürgerlich. Nein, so hat es uns der Erklärbär Niels nicht erklärt. Nirgends steht, dass diese Parteien deshalb irgendwie bürgerlich wären und trotzdem glaubt es jetzt der typische SPIEGEL-Leser. Schließlich wird sich der Sozialkundelehrer mit Doppelhaushälfte, SUV, Ehefrau und zwei FFF-Kinderkämpfern kaum als nichtbürgerlich bezeichnen.

Und, weil der Erklärbär Nils das so toll hingekriegt hat, schreibt er als letzten Satz:

Es ist unbürgerlich, sich selbst zu loben – und sei es als bürgerlich.

Nein, Nils. Du musst Dich jetzt nicht noch selber loben, dass Du mit diesem Artikel vom Erklärbär zum Propagandabär aufgestiegen bist. Wir haben es auch so gemerkt.

4 Gedanken zu “SPIEGEL-Erklärbär erklärt „bürgerlich“.

  1. Erinnert mich gerade an Orwells Farm der Tiere, wo die klaren einfachen Grundsätze an der Wand immer mehr ergänzt und verbogen werden.
    Aber das Verbiegen von Begriffen bis hin zur Entwicklung von Sondersprachen ist bei Sekten schon immer ein zentrales Merkmal gewesen. Jetzt also „bürgerlich“. Ein Wort mehr.
    Aber richtig witzig ist schon: „Darum kann eine populistische Partei nie bürgerlich sein“.
    Klingt glatt wie: „Eine feministische Bewegung kann nie feminin sein“. Das sollten wir uns mal notieren 😉

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  2. Auch gut: Ulrich Reitz bezeichnet im Fokus die SPD und GRÜNEN als bürgerlich. Also diejenigen, die die klassische bürgerliche Familie zerstören wollen.

    „Es ist nicht bürgerlich, anderen die eigene Weltanschauung aufzunötigen.“

    Dann sind wohl die Mainstreammedien allesamt anti-bürgerlich.

    Mehr dazu auf meinem „bürgerlichen“ („Mäßigung der Affekte, die Differenzierung und Sachlichkeit ist bürgerlich“) Blog:
    https://dekadenzkritik.wordpress.com/2019/09/05/skandal-afd-als-burgerlich-bezeichnet/

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