Nazibrut im Dirndl.

Vor Kurzem habe ich ja darüber geschrieben, dass die Mainstream-Zeitung ältere, „zeitlose“ Artikel recyceln; dürfte wohl daran liegen, dass man wegen der sinkenden Verkaufszahlung nur noch eine Notbesetzung in den Redaktionen hat, wobei hier der ideologisch dunkelrote Kern übriggeblieben sein dürfte. Nun bin ich auf einen Artikel auf zett gestoßen der allerdings schon mal 2017 veröffentlicht wurde. Da ist schön zu sehen wie die Linksgestrickten hinter jeder Veränderung, die nicht dem links-grünen Weltbild entspricht, sofort eine anschwellende, rechtsextreme Welle sehen. Wenn der Blick verstellt ist und man auch keine Journalisten beschäftigt, die sich außerhalb ihres Juste Milieu bewegen, dann bekommt man natürlich nicht mit, dass man sich schon zwei Jahre zuvor lächerlich gemacht hat und es ihnen zumindest jetzt aufgefallen sein müsste. Der Artikel von Eva Reisinger heißt:

Warum ich mich mittlerweile schäme, Tracht zu tragen

Tracht ist heute mehr als ein Kleidungsstil: ein Statement, politische Meinung, Ausdruck eines konservativen Mindsets – denkt unsere Autorin und will darum ihr Dirndl nicht mehr tragen.

Während ich Bilder von Besoffenen mit Bier und Brezen in der Hand in meinem Instagram-Feed sehe und die Nachrichten rund um das Oktoberfest in München verfolge, denke ich still und heimlich an die Kleider, die in meinem Schrank hängen und mich erinnern: Da warst du auch schon. Noch gar nicht lange her.

Ich würde heute gerne so tun, als wär ich nie auf dem Oktoberfest gewesen.

Sie denkt an ihre Heimat in Oberösterreich und ihr Dorf, wo es dazugehörte, zu Hochzeiten und Feiertagen in Tracht zu erscheinen. Ein Dirndl gehörte einfach wie auch bei ihr in den Kleiderschrank. Und sie meint sogar

Irgendwie Tradition, Ursprung, ja meine Wurzeln

Ja, und jetzt hat sie Bilder auf Instagram vom Oktoberfest gesehen und spannt dann gleich den Bogen zu den rechten Parteien, die in Österreich Zulauf haben und, wenn sie Andreas Gabalier in Tracht sieht, dann schießen ihr Bilder durch den Kopf von Rechtskonservativen und besoffenen, sexistischen Männern.

Politiker*innen (!), sagt sie, würden sich im Dirndl ablichten und Männer in Tracht, um sozusagen ein Wir-Gefühl erzeugen und Heimat und Tradition für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die Eva hat in meinen Augen, dass geschlossene linke Überall-sind-Nazis-Weltbild, wo man eine derartige Wahrnehmungstrübung entwickelt, dass man die Realität so verbiegt, dass sie auch zu den vorgefertigten Schablonen im Kopf passt. Nun war es das Jahr 2017, als sie die Bilder von Leuten mit Tracht und Dirndl auf dem Oktoberfest gesehen hat und da hat sie wohl hunderte gesehen und in der Leere ihres Hinterkopfes nebenbei überlegt, von welchem Trachtenverein die sind. Nun sind ihr in ihrer Heimat sicher Trachten von anderen Regionen untergekommen und da hätte sie eigentlich feststellen müssen, dass die Dirndl der Frauen immer mindestens knöchellang sind und oft hochgeschlossen. Wenn nicht, dann hat es zwar ein Dekolleté, das gestickte weiße Hemd geht dafür bis an den Hals. In der Tracht erscheint die Frau eben wie früher eben sittsam gekleidet, was, so meine ich, auch eine gewisse Erotik hat. Mein Prof an der Uni hat mal gesagt, wenn die Frau nackt und ausgepackt ist, dann ist die Sache gegessen und es ist vorbei mit der Erotik.

Da hätte ihr der Unterschied zu den vorherrschenden „Trachten“ auf dem Oktoberfest auffallen müssen. Das „Dirndl“ war da nämlich nicht mal knielang, dazu ausladend und knallig in rosa und violett. Oben war es eng geschnitten mit Dekolleté, sodass der Busen geradezu nach oben herausgequollen ist. Und übrigens war es auch keine Frauentracht, wenn die in der kurzen Lederhose mit Trägern und nackten Beinen herumgelaufen sind und es den Busen zwischen den Trägern herausquetscht hat und hinten die halben Arschbacken. Die Männer in Begleitung in knielanger Lederhose ohne Träger, dafür mit gekringelten Tennissocken und Turnschuhen. Ja, Eva, diese Mode ist nicht vom Land in die Stadt hineingewandert und dann wieder hinaus, sondern sie wurde in der Stadt erfunden, womöglich rund um das Oktoberfest, damit auch der Preiß und der Japaner mal das bayerische Feeling auf dem Fest hat. Für den Besuch gibt man aber keine 500,- € für eine echte Tracht aus, die eher unbequem ist und nicht damit kompatibel damit ist, dass Frauen eben auch mit der nackten Haut ihre Reize verströmen lassen wollen. Deshalb hat man diese sexy Bonbon-Tracht erfunden, die man dann für 19,95 € bei KIK kaufen konnte, damit auch die Halbwüchsigen Mädels und „Bayer-für-einen-Tag-Besucher“ auf dem Oktoberfest mitmachen konnten. Dieser Trachtenabklatsch ist natürlich zur gleichen Zeit in den Bayerischen Wald zurückgeschwappt. Die jungen Mädels bei uns haben sich fast alle damit uniformiert sind auf der Kirchweih herumgelaufen. Und da war sogar eine dabei -jetzt Achtung Eva- die zu meiner Frau gesagt hat, dass sie ganz froh ist, dass sie wenigstens evangelisch ist und nicht so spießig katholisch wie die meisten hier und dazu noch Gender und den ganzen Sternchenkram toll findet. Die ist sozusagen der Gegenentwurf zu Heimat und Tradition und trug damals trotzdem dieses Pseudodirnl. Jetzt nach zwei Jahren ist diese Mode wieder total out und sie läuft eben mit etwas anderem herum, weil sie auch den elterlichen finanziellen Background hat, dass sie den alten Krempel nicht mehrmals auftragen muss. Die hat die gleichen Ansichten wie vor zwei Jahre. Ich weiß jetzt nicht, ob ihr Andreas Gabaliers Musik gefällt oder sich diese inzwischen verboten hat, weil er vom links-grünen Milieu als rechts abgestempelt worden ist. Wenn sie das nicht mitbekommen hat, dann wird sie dort wohl mit dem Dirndl rumlaufen und zwar genau deshalb, weil es bei dessen Konzerten in ist, dass dort alle so rumlaufen. Solche jungen Weiber aus dem Sorglos-Milieu haben einfach die Möglichkeit jede Mode mitzumachen und es ist auch kein Widerspruch jede vom Kapitalismus initiierte Mode mitzumachen und sich von den Eltern ein Auto in der Lieblingsfarbe schenken zu lassen und gleichzeitig für den Öko-Sozialismus bei FFF zu demonstrieren.

Das, was die Eva auf dem Oktoberfest gesehen hat, könnte nicht weiter von Heimat und Tradition und rechten Ansichten entfernt sein. Die sind politisch meist völlig unbedarft, wollen Party machen und sind nur deshalb links, weil man damit Haltungspunkte sammeln kann, um sich bei anderen beliebt zu machen. Dass es heute um Haltung geht und nicht um das Abwägen von Fakten kommt ihnen auch entgegen. Endlich wird man sogar von den Erwachsenen ernst genommen, egal welchen Bullshit man von sich gibt, Hauptsache man hat eine Meinung und die modisch richtige.

Nun sind seit dem Artikel zwei Jahre ins Land gegangen und diese Trachtenverschnitt taucht höchstens noch auf dem Oktoberfest auf. Die Alten tragen auf dem Land ihre Tracht wie immer, aber ich sehe auch wieder Burschen und junge Männer, die zu bestimmten Anlässen in traditioneller Lederhose und Tracht rumlaufen und Mädel und junge Frauen mit traditionellem Dirndl. Im Bayerischen Wald sind ja auch die Jungen mehrheitlich heimatverbunden und da ist es egal, ob die dann Grün oder SPD wählen. Die machen den verqueren Krempel trotzdem nicht mit und lassen sich nicht vorschreiben aus politischer Korrektheit ihre Heimat nicht mögen zu dürfen. Was auffällt ist, dass es vor allem die sind, die ein traditionelles Musikinstrument spielen oder ein Handwerk erlernen. Die haben auch mitbekommen, dass die „Gschudierten“ aus unserer Gegend außer gescheit daherreden nicht viel auf dem Kasten haben. Die zeigen mit der Tracht nicht irgendeine rechtsextreme Gesinnung, sondern grenzen sich nur sichtbar von den gleichaltrigen Laberköpfen ab: Schau erst mal, dass Du was zuwege bringst, wofür Dich jemand brauchen kann so wie wir.

Wenn rechts bedeutet, nicht nutzlos jemanden auf der Tasche liegen zu wollen und leeres Gelaber als keine besondere Auszeichnung zu sehen, die man auch noch studieren müsste, dann hat die Eva natürlich recht. Eher ist es aber so, dass sich die Autoren zwanghaft versucht, sich von ihrer Heimat und Tradition und so von Tracht und Dirndl zu distanzieren, weil man ihr in der Hamburger Redaktion gesagt hat, dass das voll Nazi wäre.

Warum sollte ich mich heute als moderne Europäerin dazu entscheiden, in Tracht herumzulaufen oder gar zu heiraten, wie es jetzt wieder viele Junge machen?

Ja, lass es sein und stirb aus.

Entweder hat die Frau diesen Artikel geschrieben, weil sie wirklich unbedingt zu den Guten gehören will und sich selbst beweisen wollte, dass sie dafür mit allem brechen kann, was sie geprägt hat. Oder sie wurde ihren Kollegen suspekt und man zweifelte an ihrer politischen Linientreue, weil sie gedankenloser Weise ihnen mal ein Bild von ihr gezeigt hat, wo sie zufällig ein Dirndl trägt. Da hat sie dann einen Ablass betrieben, indem sie sich selbst öffentlich zuerst der früheren Heimattreue bezichtigt hat, um ihre Heimat und Tradition im nächsten Schritt zu verleugnen. Dann dürfte sie in den inneren Zirkel der Guten zurückkehren.

Im Nachhinein wirkte der Artikel doch sehr konstruiert. Wenn es einem Mann sogar auffällt, dass diese Pseudotracht nur eine Modeerscheinung ist, dann müsste das einer Frau allemal auffallen. Eher wollte man Tracht nur passend framen: Wenn Gabalier=Nazi und Gabalier trägt Lederhose, dann gilt Lederhose = Nazi. Und, weil Lederhose Tracht ist, muss auch Dirndl Nazi sein. Man muss sich nicht wundern, dass die ZEIT und ihre Kinderseite zett niemand mehr liest. Welche Minderheit von einer Minderheit könnte man mit so einem Geschreibsel dazu bringen, jetzt ebenfalls keine Tracht oder „Tracht“ mehr zu tragen. Die erste Gruppe konnte diesem Eine-Welt-wir-sind-alle-bunt noch nie etwas abgewinnen. Die anderen werden es gar nicht registrieren, wenn ihnen das Gleiche in ein paar Jahren wieder als die neuste Mode verkauft wird und deshalb wieder so rumlaufen. Da dürfte es sich dann um einen Einzelfall handeln, dass eine eine 180-Grad-Wendung gemacht hat und nun mit verkniffenem Gesicht durchs Volksfest rennt und ihr insgeheim ein Moralischer abgeht, weil sie sich für die einzige hält mit der richtigen Haltung unter all den Nazis in Tracht. So wie sie ihren Artikel schließt,

Solange die Tracht von rechts missbraucht wird, bleibt mein Dirndl im Schrank hängen. Bis ich mich beim Tragen nicht mehr fühle, als würde ich damit meine politischen Werte verraten. Ich hoffe, dass irgendwann Zeiten kommen, in denen ich mein Dirndl wieder mit Stolz anziehen werden kann – und ohne dem Beigeschmack von Andreas Gabalier und rechten Idioten.

dürfte Eva dieser Einzelfall auf dem Oktoberfest sein, um sich dieses gute Gefühl dort abzuholen.

4 Gedanken zu “Nazibrut im Dirndl.

    1. Komischerweise suchen die auf zett seit Wochen Leute, die bei ihnen mitmachen wollen. Es heißt immer vier Stellen wären frei. Die schreiben, was vorher auf bento stand, bis es nach einigen Wochen bis Jahren (wie hier) dies auf der „seriösen“ ZEIT bzw. SPIEGEL erscheint. Die haben einen Ausstoß an Texten, den könnte ich alleine bewältigen, wenn ich wie die zu einem Bild von der Casting-Agentur irgendwelche Storys wie „Hilfe, mein Hund ist rechts“ oder „Meine Unterhose ist braun: Bin ich jetzt ein Nazi“ usw. dazuerfinden soll.

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      1. Das hat bestimmt irgendwelche obskuren rechtlichen Gründe. Solche Jobs sind für die Töchterchen der Mitarbeiter.
        Du könntest solche Texte nicht schreiben. Da braucht man ne Zahnspange. Also Method-Schreibing.

        „Jetzt hat also auch der oberste Gerichtshof in England bewiesen, dass die Rechten die Demokratie abschaffen wollen. Das hätten wir ja nicht gedacht. Es gibt aber auch Nachrichten aus Übersee. Dort wird der Diktator von Nancy Pelosi aus dem Amt gehoben. Bald sind sämtliche Wahlergebnisse korrigiert und die Demokratie kann wieder Einzug halten. Die mutige Greta heizt den Kapitalisten mächtig ein. Allerdings ist sie dabei noch nicht energisch genug. Und witzig, hihihihi, auf Instagram gibt es jetzt lustige Bilder und Sprüche gegen die Hetzer. Die Bremer Polizei hat das Kantholz auch noch nicht gefunden. Da war also nichts. Die Rechten wollen sich nur wieder als Opfer gerieren. Und das echte Problem am Görli, was die dumpfen Braunen nicht anfassen wollen, ist, dass die Drogen nicht umsonst sind.“

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