DER SPIEGEL und die Meinungsbrühe.

Die Systemmedien werfen ja denen, die ihnen nicht mehr glauben und auf alternative Medien ausweichen, vor, dass sie ausschließlich Fake-News und Halbwahrheiten nachlaufen. Dabei leistet sich die „Qualitätsmedien“ sogar einen so genannten Faktenchecker, obwohl dieser auch die Wahrheit ändert, wenn es opportun ist. Es herrscht immer noch das falsche Bild vor, die Journalisten würden Meldungen nach ihrer Relevanz auswählen, neutral über Sachverhalte berichten und gegebenenfalls selbst recherchieren und die Hintergründe ausleuchten. Kolumnen und Kommentare helfen uns, die Nachrichten richtig einzuordnen. So kann man es in jedem Schulbuch nachlesen.

Wer nicht glaubt und mit der Wahrheit nicht fertig wird, sucht sich andere Wahrheiten. Dabei übersehen die Journalisten, dass sie den Geschehnissen nicht neutral gegenüberstehen, sondern Teil des politischen Geschehens sind, wenn nicht sogar Handlanger der Politik. Bei ihnen kann man sehen, was uns als Realität verkauft werden soll, was gepuscht und was verdammt werden soll. So entsteht dann eine mediale Realität neben der echte Realität.

Ich lese deshalb auch immer täglich die Meldungen auf spon, focus, heute.de, tagesschau.de, bento usw. wie deren Realität aussieht. Wohin die Reise gehen soll, kann man ja an den jeweiligen Kommentaren und Kolumnen ablesen, weil da wird uns gesagt, wie wir Sachverhalte einordnen sollen. Auf SPIEGELonline leistet man sich rund 10 davon. Nun grase ich die ja auch immer ab und hatte schon länger das Gefühl, dass da nichts Neues mehr kommt. Mit welchem Selbstbewusst und Alleinvertretungsanspruch sind da vor zwei Jahren noch ein Sascha Lobo aufgetreten, eine Sybille Berg, eine Freda Athman, ein Stöcker oder eine Margarete Stokowski.

Stokowski hat bewiesen, dass man wirklich bei allen Themen zu denen man schreibt, einen Knick in der Wahrnehmung haben kann und sie ist deshalb der Liebling von Akif Pirincci für seine „persönliche Beratung“. Mit ihrer Beschränktheit nimmt man sie höchstens noch bei den Bento-Lesern ernst.

Über Sascha Lobo habe ich ja schon häufiger geschrieben. Seine ersten Vorträge, die ich gesehen habe, waren so, als hielte er sich für den Messias der Neuen Medien und für die Allkompetenz, uns zu sagen, was wir politisch gut und was schlecht finden sollten. In letzter Zeit ist es ziemlich ruhig geworden und ich habe schon mal erwähnt, dass man bei einer seiner letzten Kolumnen feststellen konnte, dass er irgendwie festgestellt haben muss, dass die Leute die ganzen (linken) Meinungsführer immer weniger ernst nehmen, und er allgemein doch sehr mit diesen Zuständen ringt. Es reicht eben nicht, wenn man wie er, immer wieder den gleichen Sud aufwärmt wie schon vor drei Jahren. Gegen Trump, gegen Rechts, gegen AfD, gegen Hass und Hetze im Netz. Kolumnen sollten ja eigentlich die eigene Sichtweise erweitern, doch die Kolumnisten auf Spon betreiben ausschließlich eine Brachialverengung auf die richtige Haltung

Stöcker und Sybille Berg sind schon längst zu Lohnschreibern verkommen, die voneinander abschreiben oder den gleichen Wortbaukasten verwenden. Bei Berg heißt es:

Klimawandel: Reißt euch zusammen, Menschheit

Die Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Doch noch immer wird nicht genug gegen den Klimawandel unternommen – dabei kann jeder etwas tun. Warum es jetzt Zeit wird für zivilen Ungehorsam.

Wenn einem die Leser nicht mehr zuhören, dann richtet man seine Worte gleich an die ganze Menschheit, die sich gegenüber dem Klimawandel sorglos und untätig verhält, wo doch nach ihren Worten gleichsam ein Komet auf die Erde zurast, der uns alle auslöschen wird. Die Story kannte ich schon, denn einige Wochen zuvor saßen wir bei Stöcker noch in einem abstürzenden Flugzeug, wo sich die Leute stritten, wer am Flughafen als erster ans Gepäck darf. Und Christian Stöcker beginnt dann seine eigene Kolumne so, als hätte er wiederum bei Sibylle Berg abgeschrieben.

Klimadebatte: Leugnen ist zwecklos

Das Wasser steigt, der Wald leidet: Die zerstörerische Kraft der Erderhitzung setzt die Regierungen der Welt unter Zeitdruck. Viele aber ziehen es vor, nicht die Krise anzugehen – sondern die, die vor ihr warnen.

Nächstes Mal kommen dann wieder Eisbären, Tornados und Mega-Dürre. Die Schreiberei der elitären Meinungsmacher wirkt auf mich völlig uninspiriert und dünn, als wäre es unter Zwang geschrieben worden. Für diesen Aufguss gibt es nämlich in meinen Augen keine Leserschaft mehr. Denen sie die Stange halten, haben zwar vom Thema auch keine Ahnung, doch für die ist schon die Länge eines Tweets eine Herausforderung. Politiker lesen den SPIEGEL nur, um sich von sich selbst ein Bild zu machen und wie angeblich die Stimmung im Land ist. Die schauen nur, ob ihre unpopulären Entscheidungen noch ausreichend mit der Klimabedrohung geframed sind und so auf wenig Widerstand in der Bevölkerung treffen. Es ist ja bekannt, dass in den Redaktionskonferenzen festgelegt wird, was am Ende herauskommen soll, damit ihr links-grünes Weltbild keine Kratzer bekommt. Keine Ahnung, wer sonst noch SPIEGEL liest.

Ich halte die Kolumnisten ja nicht wirklich für bekloppt, aber sie haben ihre Agenda so gehypt, dass sie den Käse den sie schreiben entweder wirklich glauben müssen oder ohnehin nur mehr politisch vorgegebene Textbausteine verwenden, so wie Stöcker in einem Absatz aus drei Sätzen: schneller, immer schneller, immer wärmer, Extremirgendwas und extreme irgendwas und Gefahr. Spiegelleser lesen wohl schon im Bunker.

„Schneller als erwartet“ steigt laut dem jüngsten Bericht des Weltklimarates auch der Meeresspiegel. Weil das Eis in Grönland und der Antarktis sowie die Gletscher immer schneller schmelzen, sich das immer wärmere Meerwasser ausdehnt. Das wird „tropische Zyklone und Regen, Extremwellen und einen Anstieg des relativen Meeresspiegels“ mit sich bringen und damit mehr „extreme Meeresspiegelereignisse und Gefahren für Küstengebiete“.

Ja, wenn´s wahr wäre, wäre es so, wie auch:

Würde der Meeresspiegel abrupt um, sagen wir mal, einen Meter steigen, würde sich der klägliche Rest von Ostfriesland in eine Halbinsel verwandeln, Cuxhaven und Emden wären weitgehend unter Wasser. Und Hamburg läge endlich am Meer.

Ja, wer so phantasiert, der hat noch Material für die nächsten 50 Kolumnen, zum Beispiel, was passiert, wenn auf der Zugspitze 46°C herrschen, ein 30m hohe Flutwelle Berlin trifft oder in Sachsen 20 Jahre Dürre herrschen. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, schließlich würde alles zum ersten Mal in der Geschichte aufgrund eines Temperaturanstieges geschehen.

Die IPCC-Prognosen und -Projektionen sind in der Regel sehr vorsichtig und konservativ.

Stimmt. Sie müssen ihre Computermodellergebnisse immer ein paar Grad nach unten justieren, damit sie einigermaßen glaubhaft bleiben. Dafür sind die erdachten Szenarien um so phantasievoller. Stöcker verweist natürlich auf Experten wie den IPCC, Greta und PIK-Esoteriker Rahmsdorf, dessen Kollege Levermann beim PIK sich schon mal in einem Bundestagsausschuss blamieren durfte. Man muss das nun nicht alles lesen aber am Ende heißt es:

In der Psychologie nennt man solches Verhalten übrigens „Versuch der kognitiven Dissonanzreduktion durch Abwertung der Informationsquelle“.

Nein, Stöcki, ich habe keine kognitive Dissonanz, dass ich solche Leute für Betrüger, Ideologen und Hohlköpfe halte. Ende der Woche werde ich dem „Experten“ Latif schreiben, der Anfang der Zweitausender vorhergesagt hat, spätestens 2015 würde es bei uns in den Mittelgebirgen keinen Schnee mehr geben, schließlich sind für die zweite Wochenhälfte nach dem „Extremwinter“ 2018/19 schon wieder die ersten Schneefälle im Bayerischen Wald zu erwarten.

Solche Ergüsse wie von Stöcker, Berg oder Lobo wirken dermaßen flach und eindimensional, dass man solche Texte eher in der Mittelstufe eines Gymnasiums vermutet. Jetzt brauchen aber Schüler für so einen Text vielleicht zwei Stunden; die Kolumnisten nehmen sich dafür meist über eine Woche Zeit. Ich denke die arbeiten längst im Schnellimbiss oder einer Autowaschstraße und liefern für den SPIEGEL nur noch Gewünschtes von der Stange für 5 Cent die Zeile, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Da bleibt auch keine Zeit mehr für Recherche. Lobo sinniert darüber, ob man aus nicht getweetete Tweets herauslesen kann, ob ein Amtsenthebungsverfahren wegen Trumps Ukraine-Verbindung Erfolg haben kann ohne auch nur einmal zu erwähnen, dass es auch darum geht, wie Joe Bidens Sohn Hunter, in den Vorstand der zweitgrößten Gasfirma der Ukraine kommen konnte und bei völliger Inkompetenz auf diesem Gebiet im Monat 50000.-€ kassiert. Da komme ich mir als Laienschreiberling schon verarscht vor, wenn ich gestern 15 Seiten über Hunter Bidens Arbeitgeber auf Englisch gelesen habe, über Holdings, Besitzerwechsel, Teilhaber usw., um mir wenigstens mal einen Überblick zu verschaffen, bevor ich da meinen Senf dazugeben.

Es wird in den Leitmedien gar nicht mehr berichtet, sondern nur mehr gemeint, vermutet und phantasiert und für die „Fakten“ zitiert man die Kollegen aus der linken Blase.  Gestern hieß es im Bayerwald-Boten auf der ersten Seite „Grüne im Höhenflug“. Man hat sogar an beiden Seiten des Satzes einen weißen Balken lassen, um das hervorzuheben. Und heute steht auf web.de  „Nach Umfragehoch geht es für die Grünen jetzt abwärts“.

Heute haben uns die Kolumnisten mit dem Durchblick noch einen Kanzler Habeck und einen fortwährenden Höhenflug prognostiziert und mit der web.de-Meldung in der nächsten Kolumne womöglich den Abstieg der Grünen, den sie schon immer vorausgesehen haben. Die SPON-Kolumnisten sind meiner Meinung nach zu gar keinem eigenen Gedanken mehr fähig, der bis außerhalb der eigenen Brühe reicht, die bei Bedarf passend umgewürzt wird. Eine Art journalistischer Manierismus, für den man bald auch ein Computerprogramm bemühen kann, damit Lobo und Stöcker dann Vollzeit in der Waschstraße arbeiten können.

Allein Margarete Stokowski dürfte davon verschont bleiben. Bis ein Computer deren Realität nachbilden kann, bis dahin dürfte der SPIEGEL längst Geschichte sein.

 

 

 

6 Gedanken zu “DER SPIEGEL und die Meinungsbrühe.

  1. „Es wird in den Leitmedien gar nicht mehr berichtet, sondern nur mehr gemeint, vermutet und phantasiert und für die „Fakten“ zitiert man die Kollegen aus der linken Blase. “
    Da tust du den Journalisten aber unrecht. Es wird auch gepoltert („Wie lange lässt sich Israel diesen korrupten, rassistischen, rechten Premier noch leisten?). Es wird gehofft („Jetzt wird es eng für Trump“). Es wird künstlerisch untermalt („Male mal auf das Spiegel Cover, hmm, z.B. wie Boris Johnson ein Kind frisst“ – „Nein, DIESEN Monat packen wir einen Trumpmonstercartoon dorthin.). Und es wird Haltung gezeigt („So lässt sich der Populismus stoppen“).

    Aber die Umfragen sagen mir, dass die Leute nichts raffen.

    Als ich noch stolz auf mein Land war, hab ich noch Ottifantencomics für Freunde übersetzt. Heute bin ich nur noch entsetzt über den Zustand dieser Kultur.

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  2. Aber die Umfragen sagen mir, dass die Leute nichts raffen.
    Ich fasse Umfragen nur noch mit spitzen Fingern an, da ist mir inzwischen zuviel Meinungsmache drin. Das sind selten glaubwürdige Abbildungen.

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  3. Ergänzung: denn die meisten Leute legen bei Umfragen auf, wenn sie angerufen werden. Und sich registrieren, um eine Onlineumfrage mitzumachen, tun auch die wenigsten.

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    1. Und, weil sie immer eine Fehlerquote von +/-3% angeben, können sie allein damit eine Partei rauf-oder runter schreiben, ohne wirklich lügen zu müssen.

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