Nachhilfe für einen Journalisten.

Vor zwei Tagen habe ich geschrieben, dass man bei den SPIEGEL-Meinungsmachern mehr oder weniger dieselbe Brühe durchrührt und sicherheitshalber auch voneinander abschreibt. Egel welche Drangsalierungen oder Einschränkungen seiner Bürger sich unser Staat auch ausdenkt, um die Kritiker zu diffamieren und einzuhegen, es wird immer das Bild aufrechterhalten, dass alle Parteien, so unterschiedlich sie auch sein mögen(!), für Weltoffenheit, Toleranz und Buntheit zusammenstehen und die AfD als Hautfeind auf demokratischem Wege und auf sachlicher Ebene zu stellen und zu entlarven versuchen. Das nennen sie dann liberale Demokratie, die unbedingt verteidigt werden muss.

Nun hat man bei uns in Bayern zum Abschlusszeugnis auch immer eine Ausgabe der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes geschenkt bekommen. Wenigstens die, die es gelesen haben, müssen feststellen, dass sich diese liberale Demokratie nicht mehr unbedingt so funktioniert, wie es sich die Väter erdacht haben. Nur werden wir täglich von „Qualitäts“-Schreiberlingen wie vom SPIEGEL zugemüllt, dass das alles so seine Richtigkeit hat. Und dann gibt es noch Schreiberlinge aus der zweiten Reihe, die ihnen beim Sammeln von Haltungspunkten in nichts nachstehen wollen, aber noch ein wenig Nachhilfe brauchen. Zu denen gehört  Stephan-Andreas Casdorff vom tagesspiegel, der einen Kommentar geschrieben hat, der mal versucht hat, die AFD, Rechtspopulisten und Klimaleugner zusätzlich auf sachlicher Ebene zu stellen. Blöd aber auch, wenn man als Chefredakteur keinen mehr über sich hat, der das absegnen kann. Das übernehme jetzt ich im Nachhinein, Stephan-Andreas, damit sowas nicht nochmal passiert. Und ich nenn Dich einfach Casi, wenn´s recht ist.

Die kleine Überschrift heißt also

Drohen Braunwesten in Deutschland?

Gut, da wissen gleich alle, dass Du zu den Guten gehörst und in Anlehnung an die französischen Gelbwesten auch Leute, die gegen höhere Spritpreise und Steuern demonstrieren, zu den Nazis zählen, schließlich gehen bei uns die Guten schon für höhere Steuern auf die Straße. Dann geht es zur großen Überschrift und der Einleitung.

Wie die AfD versucht, mit dem Thema Klimaschutz Wähler zu gewinnen

Rechtspopulisten sprechen Menschen an, die die Folgen des Klimaschutzes fürchten – das ist eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn die AfD, selbsternannte Alternative für Deutschland, immer noch nicht erkannt wäre als das, was sie ist – dann spätestens jetzt: Sie ist die für das demokratisch verfasste System gefährlichste Partei seit Jahrzehnten. Und die Gefahr geht nicht zurück, sondern schreitet fort. An der Spitze: Alexander Gauland als Geist des Ungeistes.

Oha! Da hast Du wohl noch die abstürzenden Verkaufszahlen des tagesspiegel im Kopf gehabt, dass Du jetzt gegen eine Partei wetterst, die mit dem Thema Klimaschutz Wähler gewinnen will. Das tun nämlich inzwischen alle Parteien und da wäre es doch seltsam, wenn Du die gleiche Überschrift mit, Wie die Grünen, SPD, CDU, FDP oder CSU geschrieben hättest und mit der gleichen Einleitung fortgefahren wärst. Manche, die ihr geschenktes Grundgesetz noch zu Hause haben, könnten nämlich dann feststellen, dass bei Eurer Liberalen Demokratie nicht jeder mitmachen darf, auch, wenn laut Grundgesetz eine Partei mit jedem beliebigen Thema auf Stimmenfang gehen darf, solange man nicht zu Gewalt aufruft oder das System abschaffen will, vor allem, wenn die anderen Parteien es mit dem gleichen Thema versuchen. Es muss deshalb heißen: Wie die AfD versucht mit dem Thema Verhinderung des Klimaschutzes  Wähler zu gewinnen. Warum die AfD, wenn sie sich des Themas Klimaschutz annimmt, die für das demokratisch verfasste System gefährlichste Partei seit Jahrzehnten sein soll, verstehe ich zwar nicht. Allerdings würde der Satz stimmen, wenn Du ihn über die Grünen geschrieben hättest. Also weiter im Text, Casi:

Immer sind es populäre Großthemen, die Gauland aufruft, um sie in bildungsbürgerlichem Gewand populistisch aufzuladen. Es begann (wobei nicht allein durch ihn) mit dem Kampf gegen den Euro als die Europa konstituierende Gemeinschaftswährung; das war gewissermaßen der erste Erfolg, wahrgenommen zu werden in konservativen Kreisen und darüber hinaus.

Zweiter Fehler, Casi. Die AfD hat das Thema Euro nicht „populistisch aufgeladen“, sondern sie war damals unter Bernd Lucke die erste Partei von denen die Bürger überhaupt erfahren haben, wohin die Reise mit dem Euro geht und welche Fehlkonstruktion er ist. Damals stand der EZB-Leitzins bei 1,5%, heute haben wir Minuszinsen, welche unsere Sparguthaben auffressen. Die Populisten haben da mit etwas gesundem Menschenverstand aus der Hüfte geschossen und in die Zukunft gesehen ohne vorher von einem „Experten“ der EZB beraten worden zu sein. Das mag zwar in Deinen Augen „populistisch“ gewesen sein, doch man darf es dem Leser doch nicht auf die Nase binden, dass die recht gehabt und deshalb davon profitiert haben! Also nächstes Mal besser was mit „ohne Euro wird der Wohlstand abgeschafft“ oder „umständliches Geldwechseln an der Grenze“ bringen.

Dann die humanitäre Geste der Kanzlerin und Vorsitzenden der früheren Partei Gaulands, der CDU, Flüchtlinge auf ihrem Weg nicht verrecken zu lassen, sondern im Land aufzunehmen. Das „Handling“ danach, also wie weiter umzugehen sei mit Zufluchtsuchenden, das zu Friktionen in der Union mit der CSU, in der Koalition auch mit der SPD führte, brachte wahrnehmungsmäßig den nächsten Erfolg. Und der war nun schon sehr maßgeblich mit Gauland verbunden. Sein Ausspruch, die Debatte um die Flüchtlingskrise ab 2015 sei ein „Geschenk“ für seine Partei, passt zur Profilierung der AfD als „Anti-Flüchtlings-Partei“.

Ja, Casi, sowas würde ich einfach weglassen, denn den Streit hätten die meisten schon längst vergessen, hättest Du ihn jetzt nicht wieder aufgewärmt. Denn so kann man sehen, dass die beide Parteien bis heute nichts gelernt haben, obwohl uns die Probleme, die aus Merkels Flüchtlingspolitik mit Messermorden, Vergewaltigungen und Plünderung der Sozialsystem erwachsen sind, förmlich anspringen. Jeder, der damals Augen im Kopf hatte und genügend Resthirn, der konnte das voraussehen. Kein Wunder, dass die damals schon zur AfD übergelaufen sind. Hätte noch gefehlt, wenn Du Seehofer dafür gelobt hättest, dass er jetzt einen Teil der Italien-Flüchtlinge aufnehmen will und er sagte, dass der Rest dann sowieso noch zu uns kommen würde. Wer solche Politiker hat, der könnte als politischer Gegner auch einen Hackstock als Gegenkandidaten aufstellen und seine Partei „Sommerpause“ nennen und würde noch davon profitieren. Das kann man dann nicht der AfD vorwerfen. Das war jetzt Dein etwas unbeholfenes Vorgeplänkel. Also weiter im Text:

Eine ungeheure Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Aktuell geht es um die Klimapolitik. Gauland verordnet der AfD, sie streitig zu stellen, will sagen: gegen die anzutreten und anzureden, die darin das gegenwärtig größte Thema sehen und Zukunftsentwürfe daran knüpfen. Jedwede politische Korrektheit in Frage zu stellen aber ist das, womit Gauland und seine Gefolgsleute die AfD noch weiter wachsen lassen wollen. Das eint ihn auch mit den Flügel-Stürmern, den Rechtsaußen Andreas Kalbitz in Brandenburg und Björn Höcke in Thüringen.

So könnten sich Menschen zum Protest gerufen fühlen, die grundlegend veränderten Klimaschutz fürchten. Menschen, die darin eine Gefahr sehen, angefangen vom Finanziellen, nach dem Motto: Nur Privilegierte können sich das leisten. So werden dann keine Gelbwesten wie in Frankreich hervorgerufen, sondern, der AfD gemäß, Braunwesten. Was eine ungeheure Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Ja, Casi, das ist eben das gefährliche Halbwissen, wo man Windkraftanlagen nur als Werbedeko in einer Anzeige hinter einem glücklichen Kindergeburtstag kennt. Die AfD hat sich vorgenommen, gegen die anzutreten und anzureden, die darin das gegenwärtig größte Thema sehen und Zukunftsentwürfe daran knüpfen. Nein, Casi, Du kannst Deinen Lesern nicht einreden, dass durch die AfD alle bedroht sind, die sich schon ein Elektroauto bestellt haben oder ihr Leben schon über den prognostizierten Weltuntergang in 10 Jahren hinausgeplant haben. Die wissen längst, dass es bei den Zukunftsentwürfen um die zukünftige Rendite von Ökostromlieferanten geht, um die Erträge von CO2-Zertifikat-Verkäufer und um die feuchten öko-sozialistischen Träume, die mit der AfD ein Ende finden könnten. Und Casi, Du darfst in Deiner Naivität nicht glauben, dass die Leute erst durch die AfD merken würden, dass die grünlackierte Klimapolitik zur Deindustrialisierung Deutschlands und der Zerstörung unserer Energieversorgung führen wird. Die werden auch nicht erst einen Mitgliedsantrag bei der AfD abholen und sich eine braune Weste abholen, bevor die auf die Straße gehen, die dafür die Zeche zahlen. Es ist nämlich nicht so wie bei den bunten Bündnissen, wo die dümmsten Guten der Dummen mitlaufen, denen die Gewerkschafts- und Kirchenfuzzis erst die richtigen Fähnchen in die Hand drücken müssen und den Grund der Demo auf „Zeichen setzen“ beschränken, dass sich die Hohlköpfe das auch merken können. Kein Wunder, dass da immer mehr Betreuer von den NGOs mitlaufen als echte Demonstranten. Bei denen genügt es, ihnen zu sagen, dass sie später im Fernsehen kommen. Du hast schon recht, wenn Du sagst, dass das eine ungeheure Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist. Denn es wäre echt blöd, wenn plötzlich Demonstranten selber denken und ohne einen gestellten staatlichen oder halbstaatlichen Betreuer auf die Straße gehen würden, und zwar in Mengen, dass man nicht mal genug ANTIFAnten herankarren kann, um sie aufzuhalten.

So, Casi, ich hab mir auch einen Bericht im tagesspiegel über PEGIDA von 2014 angesehen; ich bin nämlich ein Profi. Dort schreibt ihr ganz sachlich über deren Ziele und auch darüber, wie sich die Demoteilnehmer zusammensetzen:

Trotz der islam- und ausländerfeindlichen Agenda von „Pegida“ spielen Rechtsextremisten bei den Demonstrationen und Kundgebungen bislang kaum eine Rolle. „Der Anteil ist sehr gering“, heißt es in Sicherheitskreisen, „eine Vereinnahmung gibt es nicht.“ (…) Die „Pegida“-Demonstranten seien klassische Wutbürger, sagt ein Sicherheitsexperte. „Das ist eine bunte Mischung, vom Mittdreißiger bis zum Rentner ist alles dabei.“ (…) Die Schnittmengen zu rechten Hooligans halten Sicherheitskreise ebenfalls für gering.

Ja, Casi, und jetzt schreibt ihr über ein paar Hanseln, die gegen die Konsensparteien oder deren Ziele protestieren, dass jetzt ein rechtsradikaler Aufstand droht. Eure liberale Demokratie funktionierte nämlich nur, solange irgendwelche Kleinstgruppen auf die Straße gingen oder Kleinstparteien kandidierten, die dem Establishment nicht gefährlich werden konnten. Das nennt man aber Demokratiesimulation, wenn man dann alle Register der Diffamierung, Schikanierung und Gängelung zieht, sobald es ein paar mehr sind. Und es ist auch kein Journalismus, wenn man dann wie auf Kommando dagegen anschreibt und einer Partei etwas vorwirft, was in einer Demokratie zum politischen Geschäft, ja zu ihrem Markenkern gehört:

Gauland versucht, die CDU zu spalten

Das ist doch das normalste auf der Welt, dass man versucht, auch Abgeordnete anderer Parteien für sich gewinnen zu wollen oder sie zu einem Kurswechsel zu bewegen, auch, wenn sich der Bundestag zu 80% für eine Art unfehlbaren Volkskongress hält. Dabei hätte das Ende Deines Kommentars wieder gepasst:

Das ist klar anzusprechen, um die AfD und Gauland zu stellen. Sie macht in seinem Geist Politik: Nach der im Januar 2019 vorgelegten Studie werden ihm vom Verfassungsschutz „völkisch-nationalistische Gesellschaftsbilder“ vorgehalten. Und, dass er die Glaubwürdigkeit der parlamentarischen Demokratie „bewusst delegitimiert“.

Gut, Casi, so geht´s! Irgendeine eingenordete Behörde oder NGO als Bürgerschreck zitieren. Da ist es völlig egal wie sie sich ihre Erkenntnisse zusammenphantasiert haben, schließlich lesen auch keine potentiellen AfD-Wähler Parteiprogramme oder recherchieren, welche Leute man in den Behörden oder NGOs installiert hat.

Also, Casi. Die erste Zeile und der Schluss passen. Dann. Nichts schreiben, wo Rechtspopulisten richtig lagen oder liegen. Nichts kritisieren, was zur Demokratie gehört und nicht zu Deiner liberalen Demokratie, denn das könnten die Leute merken, die das Grundgesetz wider Erwarten auch gelesen haben. Und- Gefühl. Viel Gefühl. Irgendwas mit Eisbären, untergehenden Inseln, Flüchtlinge, die ihre Diplomarbeit auf der Flucht auf dem Handy geschrieben haben, oder einfach was über Lesben, die es schwer haben.

Ja, Casi. Kein Vorwurf. Du sitzt seit 1999 in verschiedenen redaktionellen Bussi-Bussi-Wohlfühlwelten, da kann man schon mal einen Knick in der Wahrnehmung bekommen oder sich wegen Mangels an Kontakten zur Außenwelt über die Zustände im Land irren. Dass es nicht so auffällt, wenn Du wieder mal einen Kommentar abgibst, lass Dich mal beraten. Beim SPIEGEL hocken genügend, die das können, ohne, dass es auffällt.

 

4 Gedanken zu “Nachhilfe für einen Journalisten.

  1. Jaff, wusstest du denn nicht, dass CO2 Panik der Kern der Demokratie ist? Ach, ich weiß nicht. Ich werd müde. Allein schon, wie die Leute das Wort „selbsternannt“ benutzen. Ich glaub, man kann sich in Deutschland nicht einmal annähernd auf die Bedeutung von Worten einigen. Jeder Ideologe spricht sein eigenes Serbo-Kroatisch heute. Alles nur noch Framing. Welches Gefühl soll mitschwingen. Schreiben mit Feeling. Also vom Feeling her haben die Guten ein Gefühl oder so. Es ist auch alles nicht mehr satirefähig.

    Liken

    1. Journalisten, die hier immer das Wort „selbsternannt“ verwenden, leiden an einer Zwangsstörung. Welche Information sollte damit transportiert werden? Es dient nur dazu, den Leidensdruck vom Journalisten zu nehmen. Völlig krank.

      Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.