Mein linkes Problem.

Ich informiere mich ja nicht nur in meiner eigenen Blase, sondern auch in den gängigen angeblichen Leitmedien, dem Zwangs-ÖR und in ausländischen Medien. Auch heute gäbe es Stoff für eine Gegenrede, doch mir geht es ähnlich wie auf siencefiles gefragt: Warum sollte man eine Veranstaltung von Ralf Stegner, von Christoph Butterwegge, von Gregor Gysi oder von sonst einem Linken stören, den Redner niederbrüllen, seine Gastvorlesungen unmöglich machen? Und ich kam heute auch zur gleichen Antwort: Linke haben ohnehin nichts Neues zu sagen. Sie sagen seit Jahrhunderten dasselbe. Dazu passen zwei Kommentare und einen Bericht im SPIEGEL, die ich heute gelesen habe: Sind Nazis gegen Sex, Radikalisierung im Internet/Mir fehlen die Worte und darin verlinkt ein Bericht über den angeblichen Missbrauch von Pepe dem Frosch als Meme. Doch alle drei scheitern, dass man am Ende sagen könnte, SPIEGEL-Leser wüssten mehr, denn in allen Fällen bekommen die Thematiken das Label rechts und somit ist schon gesagt, dass alles ganz schlimm wäre. In dem Bericht über das Pepe-Meme ist da schon so dick aufgetragen, dass es schon peinlich ist und man merkt einfach die Absicht, wo vom Ku Klux Klan, konservativen Trumpwählern und der Alt-Right-Bewegung alles in eine Tonne getreten wird. So wie bei Margarte Stokowskis Sex-Nazis, denn dort wird eben falls ihr eigenes festgefügtes Bild über Polen als Grundlage genommen, als wäre es die Realität:

Polen ist ein gespaltenes Land, auf der einen Seite stehen diejenigen, die für Menschenrechte, Meinungs- und Pressefreiheit, für Europa kämpfen: diejenigen, die sich über den Literaturnobelpreis für Olga Tokarczuk freuen. Und auf der anderen Seite erzkonservative, nationalistische, minderheitenfeindliche Kräfte, die sich nun, nach dem erneuten Sieg der PiS-Partei bei den Parlamentswahlen, noch stärker im Aufwind sehen,(…)

Dass die Rechten nicht von einem Virus befallen sind, von dem sie geheilt werden müssten, davon bin ich immer schon ausgegangen, doch ich hatte keine Ahnung, warum die Leute mehrheitlich jetzt nicht mehr links wählen. Natürlich musste ich für diesen Artikel recherchieren, warum das so ist, und es gibt triftige Gründe. Mit der Meinungsfreiheit scheinen sie kein Problem zu haben. Kommen die Schreiberlinge nie auf die Idee, dass dies eigentlich der Kern wäre? Dazu bauscht sie einzelne Beispiele der angeblich rechten Sexualerziehung auf, als wäre dies in Polen gesellschaftsrelevant. Wenn sie sagt, den Unterricht würden auch Pfarrer übernehmen und die würden behaupten, dass sie ihre Tage haben, weil die Gebärmutter weint, da in ihr kein Baby heranwächst. Das ist natürlich bescheuert, doch das dürfte eher in der Grundschule sein und die Kinder werden da keinen Schaden nehmen. Gibt ja später noch Biologieunterricht und Jugendliche haben auch Internetanschluss. Ein Pfarrer empfindet vielleicht ein Schamgefühl alles im Detail auszubreiten; dann wäre er eigentlich fehl am Platz. Trotzdem ist die Vermittlung eines natürlichen Schamgefühls (nicht Prüderie) für die sexuelle Selbstbestimmung, die bei der Frühsexualisierung immer er als Grund angegeben wird, eben auch ein Argument. Sokowski wirft dann einen Brocken hin wie

Als kürzlich die Wissenschaftlerin Madita Oeming auf Twitter ankündigte, ein Uni-Seminar zu unterrichten, indem es um Pornos geht, begann ein Shitstorm, der unter anderem von AfD-Politikerin Beatrix von Storch auf Twitter befeuert wurde. („Die Chinesen bilden Hunderte Millionen Ingenieure und Programmierer aus, und an deutschen Unis schaut man Pornos.“) Ausgerechnet von Storch, deren Verhütungsmethode lautet „Schützt euch, indem ihr enthaltsam seid“.

Porno an Unis muss gut sein, weil die AfD dagegen ist und deshalb ist auch Enthaltsamkeit abzulehnen. Das ist einfach so billig und entspricht genau einem autoritären Weltbild:

Ein autoritäres Weltbild besteht aus einem sehr einfachen, fast primitiv zu nennenden Kern der eigenen Überzeugung. Diese Überzeugung ist homogen und hermetisch gegen Anomalien, also Beobachtungen, die ihr widersprechen abgeschirmt.

Ebenso der Bericht über das Pepe-Meme. Es genügt ihn zu überfliegen und an der Stelle, wo es interessant würde, heißt es:

Woher genau die Begeisterung für den grünen Frosch kommt, lässt sich letztlich nicht belegen.

und die Regierung würde den Meme-Krieg womöglich gewinnen, heißt es gegen Ende des Artikels, nachdem man eine Seite lang immer wieder liest wie viel Hass dieses Clowns-Meme verbreiten würde. Dabei begann man mit Memes gegen Linke bzw. Demokraten noch bevor Trump Präsident wurde. Im Grunde geht von dem Meme in keiner Weise Hass aus, denn als es auftauchte, waren die Demokraten natürlich „bestürzt“, weil es „missbraucht“ wurde, und genau über diesen Umstand machte man sich danach in Dauerschleife lustig, weshalb der Frosch auch ohne Zusammenhang in Bildern auftauchte, damit sie sich noch mehr ärgern. Irgendwann kann ich mich erinnern, gab es einen kleinen Zeichentrickfilm, in dem ein Demokrat in Form eines NPC-Meme beim Psychiater sitzt und meint, ihm würde immer wieder ein Clowns-Frosch sehen. Am Fenster erscheint er dann immer wieder wirklich, wobei ihn der Psychiater mit dem Rücken zum Fenster nicht sehen kann und alles für Einbildung hält. Zum Schluss flippt der Demokrat aus. Anstatt sich in der Zwischenzeit um ein witziges, linkes Meme zu kümmern, erschöpfen sich deren Bilder in reine Gewaltdarstellungen gegen Trump. (Nachtrag: Deshalb wollen sie Memes jetzt wegen der eigenen Einfallslosigkeit verbieten) Wer das Video sieht von Trumps Wahlkampfveranstaltung in Dallas und dort bei seinen Anhängern nur gut gelaunte, gewöhnliche Leute sieht, der entdeckt auf der Gegenseite nur miesepetrige Brüllaffen, denen ihr ganzer Hass aus den Augen springt.

Wenn man dann den Kommentar über die Radikalisierung im Internet liest, der muss sich fragen, ob nicht CNN und die anderen Trump-hassenden Medien wesentlich mehr zu einer Radikalisierung beigetragen haben; und zwar unter den Linken. Da braucht man auch nicht wegen Halle den Blick auf das Internet richten, wenn es um die Radikalisierung geht. Ich kann mich nicht erinnern, dass Politiker anderer Parteien so massiv und gewalttätig angegangen und deren Veranstaltungen gestört und unterbunden werden, wie das bei der AfD der Fall ist durch die ANTIFA-SS der Blockparteien, angeheizt durch Medien, „Kulturschaffende“ und Politiker der anderen Parteien. Diese Gewalttätigkeit ist schon so selbstverständlich, dass sich die, die selbst übergriffig werden, gar nicht mehr als radikalisiert wahrnehmen, wo es doch für eine gute Sache ist. Die Autorin Marina Weisband labert zwar viel darüber, in welchen dunklen Ecken sich die Rechten radikalisieren, doch nie etwas über das Ausmaß. Ist auch schwierig, wenn es heißt:

Aber auch scheinbar harmlose Humor-Accounts, wie der besagte von PewDiePie, tragen mit Witzen über Juden, über Muslime und Frauen zu Radikalisierung bei. Und global vernetzte Rechtsextremisten docken an diese Plattformen an – nicht zufällig, sondern systematisch. Die neue Rechte spielt gekonnt mit verschobenen Bedeutungen, mit Ironie, Andeutungen und Abstreitbarkeit.

Da sind dann sowohl die gemeint, die sich in irgendwelchen Nazi-Feinripp-Portalen aufhalten, als auch Leute, die einen Akif Pirincci auf jouwatch lustig finden. Wieder das gleiche Problem wie in den USA. Verschobene Bedeutungen, Ironie und Andeutungen führen angeblich auf direktem Weg zum Hass und am Ende zu Toten. Die ganzen Linksintellektuellen sind nichts anderes als verkniffene Wichtigtuer, die sich selbst hassen für ihre eigene Beschränktheit. Weil sie zum Beispiel ganze Bücher über Gender und Patriarchat schreiben und ihr intellektuelles Gewäsch für den Ausfluss geistiger Elite halten und ein Michael Klonowsky nur einen Satz braucht, um diesen Käse in die Tonne zu treten:

Wenn man sämtliche Schöpfungen des weißen Mannes  von diesem Planeten entfernte, besäßen seine Ankläger weder Zeit noch Mittel, ja nicht einmal Begriffe, um ihn mit Vorwürfen zu überhäufen

Sie haben unseren Wortschatz und somit unser Denken auf orwellsche Art eingeengt und sind dann sauer, weil die Bürger mit Wortkreationen wie „Bereicherung“, „Fachkräfte“ oder „Frauenquote“ wirklich die Realität beschreiben; allerdings merkt sogar der dümmste linke Schreiberling, dass der Schuss wie von denen beabsichtigt dadurch nach hinten losgeht.

Marina Weisband lässt sich lang und breit darüber aus, dass die meisten gar nicht die englischen Fachausdrücke für die verschiedenen Arten von „Gewalt“ im Netz kennen würden. Mir war auch nur Shitstorm bekannt. Wenn Rechte am Ende eines Artikels die Mailadresse eines Kommunalpolitikers veröffentlichen, der sich etwas hanebüchenes Gutmenschliches geleistet hat, dann ist das natürlich eine Aufforderung, ihm eine Mail zu schicken, um ihm zu sagen, was man davon hält. Da wird auch auf eine Mäßigung in der Wortwahl hingewiesen. Anscheinend hält man sich daran, denn bei den vielen Gelegenheiten hat ihnen anscheinend keiner Gewalt angedroht oder beleidigt. Wenn die ANTIFA auf indymedia Adressen veröffentlicht, dann ist das direkt eine Aufforderung zu Gewalt, um die Gegenmeinung nicht (mehr) hören zu müssen. Ja, muss echt hart sein, wenn die, die man immer als Dumpfbacken darstellt, die angeblich keine Argumente haben, einem intellektuell haushoch überlegen sind.

Deshalb müssen alle Themen von links immer mit irgendwas Bösem von rechts geframed sein bzw. es muss behauptet werden, dass hinter ihren politischen Absichten stehe ausschließlich Hass, Rassismus, Menschenfeindlichkeit, Klimaleugnung usw.

So wie sich keine rechten Aktivisten finden, um linke Reden zu stören oder zu verhindern, gibt es auch keinen Shitstorm von rechts, wenn Konservative oder die AfD in den Medien oder wie hier in den SPIEGEL-Kommentaren diskreditiert und als rechtsradikal bezeichnet werden. Höchstens, dass sich ein „rechter“ Autor oder Blog dafür hergibt, sich dieses Blödsinns anzunehmen. Deshalb ist deren Geschreibsel auch nicht hinter Bezahlschranke, weil sie hoffen, sie würden wenigstens einen Shitstorm abbekommen, den sie dann wieder ausschlachten können. Scheint sogar bei einem Sascha Lobo auszubleiben oder hat schon mal jemand gehört, dass er Hassmails bekäme. Keine von denen wird damit hausieren gehen, dass man sie auf der Gegenseite ignoriert oder höchstens lächerlich macht. Obwohl es ja auch schon als Hass gilt, jemanden lächerlich zu machen.

Da helfen keine Zensuren und keine Löschungen, um etwas in den Hirnen der Bürger zu ändern. In totalitären Regimen wurden zum Ausgleich die Witze besser, als das, was heute die Systembespaßer liefern und wie heute liefern die marxistischen Sprachingenieure das Material dazu. Die Ursache, sich eines Meme, eines Witzes oder der Ironie zu bedienen ist nicht Hass, das wäre zu viel der Ehre, es sind fast ausschließlich Verachtung oder Zynismus, die besseren Argumente hat man sowieso. Deshalb bleiben die Linken immer unter sich, wenn sie ernsthaft reden wollen, um sich gegenseitige Bestätigung zu holen und den Gegenmeinungen aus dem Weg zu gehen.

Wer etwas über ein linkes Geschreibsel schreibt, hat irgendwann ein linkes Problem: Man schreibt dann auch irgendwann immer das Gleiche.

6 Gedanken zu “Mein linkes Problem.

  1. Alles ist in Dauerschleife. Das Problem ist aber auch, dass es zu viele PR-Marketing-Selbstverwirklichungsmädchen gibt, die nix beigebracht bekommen außer dass sich ein Waschmittel nur verkaufe, wenn man „macht weißer als das weißeste Weiß und die Konkurrenz“ immer und immer und immer und immer wiederholt und nochmal wiederholt. Dass es für Sachen auch echte Pros und Contras gibt, begreifen die nicht.

    Liken

  2. Tscha .Leben ist nichts für Amateure! Von Stokowski habe ich mir zwei Kommentare reingezogen Lobo stieß mir schon mit seiner IT Kampagne für Martin 100% sauer auf. Wie Danisch es so schön beschrieben hat, wir haben keinen Rechtsruck sondern handelt es sich vielmehr um eine Linksflucht Die hehren Ansätze, für mehr Gerechtigikeit, sind mit extrem linken Gedankengut schwer zu vereinbahren Wenn an logischen Argumentationslinien Mangel herrscht, muß der Meinungskorridor massiy eingeschränkt werden., Wer der meinungspolitischen Linie nicht folgt, muß bekämpft ausgegrenzt diffamiert, verunglimpft letztendlich kaltgestellt werden so what Unsere Tintenkleckser, Pencelpusher, sind eigentlich eine zu bedauernde Spezies. Scheiße in verschiedenen Geschmacksrichtungen, jeden Tag auf“s Neue, wieder als Delikatesse anzubieten geht mit Sicherheit auf Dauer auf die Psyche. Was wir jetzt noch brauchen, ist die einzig große Krise. D. Rockefeller……………………………………………………………………………………………………………………………………Gruß aus Flensburg

    Liken

  3. Zermürbungstaktik. Die hoffen darauf, dass man irgendwann nachgibt, damit sie aufhören, zu nerven.

    Dummerweise klappt das – also, das Nachgeben; das Generve geht natürlich weiter bis zum Untergang.

    Liken

  4. Ich überlege gerade, ob man das eher auf den Punkt kriegt, wenn man die Möchtegern-Hohepriester mal beiseite lässt und das PRoblem auf der persönlichen Ebene (halbwegs) normaler Leute betrachtet.

    Ich sehe es so:

    Redet man momentan mit Leuten, die sich selbst der Bessermenschen-Kaste zuordnen, dann hört man aufs Drücken bestimmter Tasten hin immer dasselbe Tonband, ganz wie oben beschrieben. Vorhersehbar und oft aggressiv Totalzustimmung als Antwort erwartend. Mit sozialer Ächtung strafend, sobald man kleinste Abweichungen in der Antwort zeigt. Und man kann kaum noch Witze reißen.

    Retet man aber mit normalen Leuten, dann hat man wie früher ein ganzes Spektrum an Antwortmöglichkeiten, und da noch mal eine weite Bewertungsskala, ohne dass man geächtet wird. Da ist tatsächlich noch Diskutieren im Sinne eines voneinander-lernens möglich.

    Auch wenns mir wehtut: Langsam fahre ich dasselbe Programm, dass ich früher bei Zeugen Jehovas und anderen harten Sekten gefahren habe: Diskutieren hat keinen Zweck, besser links liegen lassen. Irgendwie ist das zwar wie bei den Anonymen Alkoholikern, wo nur Rederecht hat, wer gerade nüchtern ist, aber irgendwie haben die ja recht – bei Besoffenen kommt gar nicht an, was du ihnen sagst. Aber man muss halt aufpassen, dass sie in ihrem Zustand keinen zu großen Schaden anrichten. Und an der Stelle haben wir alle halt ein ernstes Problem (und die auch, wenn sie irgendwal mal wieder nüchtern sind und sehen können, was sie angerichtet haben).

    Liken

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.