Jugendfilmpreis: Der Wille war da…

Wenn Film-, Buch oder andere Kulturpreise vergeben werden, dann kennen wir meist weder die Werke, noch deren Autoren und, wenn doch, dann fragen wir uns wofür sie ihn bekommen, außer, dass derjenige die richtige Haltung zeigt. Nun habe ich diesen lustigen Kurzfilm (1 min) gesehen und wollte sehen, ob es noch weitere dieser Qualität gebe. Dabei stieß ich zufällig auf den mit dem Jugendfilmpreis ausgezeichneten Film mit dem Titel Ruby (6:40min; nein, sie müssen ihn nicht wirklich anschauen, um den Rest zu verstehen). Nun geben ja Kulturschaffende immer vor, sie würden über irgendeine besondere Wahrnehmung der Wirklichkeit verfügen, mit der sie den Horizont der Bürger erweitern könnten. Inzwischen hat man eher das Gefühl, es wird die beste politische Indoktrination ausgezeichnet, denn die Werke sind meist fern der gewöhnlichen Realität. Und wie auch in der Politik, ist der Bürger der geistig Minderbemittelte, dem man eine falsche Wahrnehmung der Realität unterstellt. Wenn es Gegenwind gibt, dann heißt es, man müsse alles nur besser erklären. Ich kann mich an einen Ausspruch eines Professors an der Uni erinnern, der uns Teile aus Werkanalysen vorlas und dann fragte, ob das, was dort behauptet würde, auch wirklich zu sehen wäre; was meist nicht der Fall war. Also nur aufgeplustertes Gewäsch. Wenn mit einem Werk eine Botschaft vermittelt werden soll, dann muss sie dicht und stimmig ohne überflüssiges Beiwerk transportiert sein. Der Laie spürt es, weil er ergriffen und angerührt ist und das Werk so eingängig ist, dass es ohne große Effekte direkt die Seele berührt. Man kann aber umgekehrt auch nachweisen, wodurch dies im Werk bewirkt wird.

Nun bin ich ein Laie, wenn es um Filme geht. Es gibt eben gute und schlechte und eine Botschaft, die beim ersten Film noch originell war, führt dann wegen des Erfolgs dazu, dass es dann mehrere Nachfolgeteile gibt, wo das Ganze dann auf andere Art neuerlich ausgewalzt wird. Das Ergebnis wird dann immer flacher.

Jetzt habe ich mir also diesen ausgezeichneten Film Ruby angesehen. Die Beschreibung liest sich offiziell so:

Sie ist echt anders drauf: steht auf Programmieren, Schrauben und Löten. Klar, dass außer dem Klassen-Nerd keiner viel mit ihr zu tun haben will. Nur wenn mal das Smartphone zickt, kann man sie gebrauchen. Doch Ruby sollte keiner unterschätzen. Sie schreibt ihren eigenen Code und hackt sich nach und nach in die Smartphones der „supercoolen“ Mitschüler ein. Jede noch so intime Message liest sie mit und beginnt schon nach kurzer Zeit, Gott zu spielen. Delikate Clips werden gepostet, Beziehungen gehen in die Brüche, keiner traut mehr dem anderen, alles gerät ins Rutschen. Nur Ruby hängt mitten drin fest auf der Rutsche ihres Lebens. In unglaublich eindringlichen Bildern erzählen die Filmemacher die vielschichtige Story des hochbegabten Mädchens, das sich am Ende in seiner Zerstörungslust findet. Herausragendes Schauspiel, technische Perfektion und eine professionelle filmische Haltung lassen nur eine Diagnose zu: schwer preisverdächtig.

So, und die Beschreibung hört genau da auf, wo es eigentlich interessant würde. Natürlich sind es tolle Bilder und ist gut gemacht, doch was ist am Ende die Botschaft? Und, wenn es die ist, die auf der Hand liegt ist, ist sie dann so gewollt? Es ist also ein Mädchen, das sich toll mit Technik und Computer auskennt und ein Nerd und Außenseiter ist; soll es geben. Bei ca. 4:00 min meint sie als Stimme aus dem Off, dass sie wohl zu weit gegangen wäre, kann nicht schlafen, bekommt Albträume und hängt depressiv nachts auf einer Spielzeugrutsche herum (diejenigen, denen sie die Beziehungen zerstört hat, hängen in dem Film auch so rum) Sie zerstört ihren Computer und am Ende sitzt sie frontal zum Betrachter und meint:

Selbstdiagnose: Außenseiter. Doch jetzt weiß ich genau wer ich bin. (lächelt) Und ich würde es jederzeit wieder tun.

Wie bitte? Dachte ich mir. Irgendwie schien ich den Film nicht kapiert zu haben und schaute deshalb in die vielen positiven Kommentare unter dem YouTube-Video. Fehlanzeige. Alles toll, alles supi, beeindruckende Kameraführung und höchstens störte man sich daran, dass sie einen altertümlichen Computer zerstört und nicht den Apple, an dem sie immer gearbeitet hat. Kein Wunder, dass man heute Filme inhaltlich auf dem Niveau der TeleTabbis wegen der Effekte für sehenswert verkauft. Die Laudatio meint, es

zeichnet ein facettenreiches Bild eines Mädchens, das sich an ihr Außenseiterdasein gewöhnt hat und nun plötzlich das Leben anderer bestimmen kann.

Facettenreich? Ich halte das eher für ein typisch weibliches Verhalten, das die heutigen Jugendzeitschriften durch die Blume gutheißen. ———————

Nun waren zwei Stunden Wirtshaus dazwischen und, wenn das Gefühl nicht täuscht, dann reicht es oft, einfach auf Wikipedia zu gehen. Ich dachte immer Nerds wären eher schrullige, anerkannte Typen, die sich vom Streber dadurch unterschieden, dass sie einen immer alles abschreiben lassen. Die sind zwar wirklich nicht kontaktfreudig, doch begegnen sie Kritik eher mit Ironie und Selbstironie; leben und leben lassen. Die machen sich nicht ins Hemd bei Anfeindungen, denn sie können etwas, was sie selbstgenügsam macht und die ganzen Großmäuler können sich ja nicht selber helfen, wenn es um Computer geht. So einer wird selten Opfer, denn er braucht die Bestätigung anderer nicht und es ist klar, wer hier von wem was braucht. Echt witzig, als ich dann den Wiki-Eintrag über Nerds las:

Positiv betrachtet ist ein Nerd ein Individualist, der durch Besitz hinreichender Fachkenntnisse einen entsprechenden Grad an gesellschaftlicher Anerkennung innerhalb der jeweiligen Szene aufweist.

Ach, was. Da ist eine „Nerdin“, sieht nicht mal schlecht aus und ist Außenseiter?

Während der Begriff ursprünglich negativ besetzt war, hat er sich unter Technikenthusiasten zu einer selbstironischen Eigenbezeichnung entwickelt.

Na, da scheint die Hauptperson im Film ja nicht gerade dem Standard zu entsprechen und mit Selbstbewusstsein gesegnet. Dabei kommt in dem Film ein typischer männlicher Nerd vor. Vielleicht 14, hager, dicke Brille und wird von anderen an der Bushaltestelle drangsaliert. Während Ruby später niedergeschlagen auf dem Handy herumtippt, sitzt er am anderen Ende einer Sitzgruppe und tippt intensiv und ungerührt auf einem Laptop herum. So stelle ich mir einen Nerd vor. Ja, es hat mich nicht getäuscht, dass man in diesem Film einen weiblichen Nerd nur erzeugt hat, der zusätzlich noch als Opfer dargestellt wird. Das ist so realitätsfern, dass sich sogar Wiki in die Scheinwelt flüchten muss:

Während reale Frauen in der deutschen IT-Branche weiterhin unterrepräsentiert und nicht einmal ein Zehntel der IT-Abteilungen mit weiblichen Mitarbeitern besetzt sind,[21] findet man weibliche Nerds in Filmen und Serien mittlerweile als Hauptfigur. Prominente Beispiele für fiktive weibliche Nerd-Charaktere sind: (…), Claire Foy als Lisbeth Salander in Verschwörung (2018), (…)

Ja, Elisabeth Salander war genauso eine Heulsuse wie Ruby und hat ein schlechtes Gewissen bekommen, als sie ihrem staatlichen Vormund seine Schweinereien auf den Rücken tätowiert hat.

Dabei fällt auf, dass die meisten dieser Filmfiguren nicht nur weiblich sind, sondern weitere Diskriminierungsmerkmale aufweisen – also zusätzlich als Person of Color, trans*, lesbisch oder Asperger-Autistin markiert sind und einen Gegenentwurf zur weiß und männlich dominierten Hackerszene darstellen.

Ja, das bewegt sich in der Realität so im Promillebereich, dass man sogar Filme dazu erfinden muss.

So beginnt die Entwicklungsgeschichte der Haecksen (Hacker*innen im Chaos Computer Club) mit dem Hinweis darauf, dass weibliche Hacker innerhalb der „purely white male phenomenon“ der „hacking culture“ als Ausnahmeerscheinung wahrgenommen werden. Vor diesem Hintergrund blabla….

Das ist so real wie rosa Einhörner und Ufos. Da passt die Szene in dem Film, wo Ruby in der Klasse einsam zwischen den Mitschülern hockt, die sich angeregt unterhalten, denn als Nerd würde sie das nicht mal bemerken. Sooo intelligente Leute sehen es schon als Zeitverschwendung an zu einem Geburtstag eingeladen zu werden.

Ja, da bekommt der Film geradezu eine andere Wendung; ob es Absicht war ist eine ganze andere Frage, denn zumindest war der Wille da, uns ein ein Mädchen als technikversiert und typischen Nerd zu verkaufen.  Ruby ist psychisch am Ende und reagiert sich an ihrem Computer ab, weil sie ihren Mitschülern doch so geschadet hat, und wie ich meine, passt dann auch das Ende. Sie reagiert wie die typischen Gendertussis, obwohl diese im Gegensatz zu Ruby wirklich gar nichts können, was jemand brauchen könnte. Man glaubt etwas zu können, ist deprimiert, weil man nicht wahrgenommen wird, und versucht dies dadurch zu kompensieren, indem man anderen schadet. Wahrscheinlich hilft hier eine Halbblinde den ganz Blinden, ansonsten würden die restlichen Mitschüler sie nicht „ausgrenzen“. So blöd, solch eine Göre nicht wenigstens auszunutzen, kann keiner sein.

Ja, der Film verdient es prämiert zu werden und dann passt auch der Schluss als Selbstoffenbarung. Ein normaler Nerd würde am Ende sagen: (das hab` ich als Selbstdiagnose erwartet)

Ja, ich bin ein riesengroßes Arschloch. Gut, schwamm drüber. Vielleicht sollte ich als Gegenleistung meine Dienste jetzt offensiver bei meinen Mitschülern anbieten. So als Gegenleistung; sie müssen mich ja nicht dafür mögen. Schließlich muss ich ihnen auch nicht auf die Nase binden, dass ich das Arschloch war, das ihre Beziehungen zerstört hat.

Dann wäre der echte Nerd im Reinen mit sich, er wollte nur sehen, ob es funktioniert. Echte Nerds in Form von Hackern, wollen ja auch nicht einen Atomkrieg auslösen, wenn sie ins Pentagon eindringen. Sie wollen ja nur sehen, ob es geht.

So bleibt für mich als Laie nur eine Botschaft, die dieser Film vermitteln soll: Mädels bleiben immer Mädels und sind psychisch schon so gestaltet, dass sie keine Nerd werden können, sondern reagieren im Extremfall wie Gendertussis und Feministinnen: Ich leide an Selbstüberschätzung und, wenn man mich nicht beachtet, dann nutze ich meine Macht, um anderen zu schaden.

Und die Botschaft des Filmes ist: Das ist auch gut so. Kein Wunder also, dass er prämiert wurde, schließlich sagt auch die Laudatio:

Bewusst wird dabei nicht die Moralkeule geschwungen.  

 

 

 

2 Gedanken zu “Jugendfilmpreis: Der Wille war da…

  1. Zum Filmbusiness, gibt es aus meiner Sicht nicht viel zu sagen, ist ungefaehr die gleiche Relotius-Machart. Als Kind konnte ich mich fuer tschechische Trickfilme begeistern. Wenn ich Filme bei Freunden schaue, dann eher aeltere Versionen, mit einem vernuenftigen Plot. Was Auszeichnungen anbelangt, ist das doch wohl eher vorher abgesprochen, getuerkt, also was soll man mit dem Krempel. Es ist schon so, wie Eric Clapton, es ueber die Musikbranche gesagt hat, 95% Ausschuss, 5% Perlen. Verhaelt sich in fast allen Bereichen so, abgeschmackt, wir sind auf Talfahrt. Meiner Meinung nach haben viele ein Problem, bei dem Massenangebot ueberhaupt noch zu sortieren, vor dem Konsum, ist zwar nicht mein Problem, doch unter diesem Phaenomenen, leiden letztendlich alle, weil das Niveau in Beliebigkeit untergeht. Bin wieder in der Bibliothek, und die Kinderspieltruppe singt mit Klavierbegleitung. Schoenen Tag noch.,

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  2. Der erste Film zeugt von hohem technischem Verständnis. Der zweite Film, „Ruby“, von einem miserablem technischen Verständnis. Ich denk auch, dass das alles aus der Zeit gefallen ist. Auch wenn Bilder, Musik und Co. „schön“ sind, ist es doch altes Handwerk, das die Eliten eben perfektioniert haben. Es ist uninspiriert.

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