Ein fataler Mausklick.

Wenn Sie in einer Zeitung Ein fataler Mausklick lesen, dann denken Sie sicher an irgendwas mit Homebanking oder virenverseuchte E-Mail-Anhänge.

Was er mit einem Klick auf die Maustaste auslösen würde, das hat sich der Landshuter Stadtrat Willi Hess nicht träumen lassen.

So beginnt dann geheimnisvoll der Artikel von Alexander Schmid im Bayerwald-Bote von heute Morgen. Natürlich ist es seit der Zwischenüberschrift kein Geheimnis mehr, dass der unbedarfte Stadtrat in Sachen Internet versehentlich unkommentiert einen rechten Online-Beitrag weiterverbreitet hat. Es geht um ein Bild mit einem blonden, jungen Mann, der in die Ferne schaut mit der Textzeile:

Deutscher zu sein heißt, dass deutsches Blut durch seine Adern fließt. Und nicht, dass es irgendein Volldepp in Deinen Ausweis getippt hat.

Nun hält auch die PNP den Herrn Hess mit über 70 nicht für einen „Digital Native“, weshalb ihm der Fehler unterlaufen ist, seinen satirischen Kommentar versehentlich unter den Beitrag des Bekannten setzte und auf seiner Facebook-Seite nur das Original des Posts. Der heißt:

Interessant! Wie konnten die 1871 so viele Bluttransfusionen durchführen und woher hatten sie so viele Blutspenden?

Man kann jemanden für blöd hinstellen, wenn so einer glaubt er könne mit der Abstammungslehre in Bezug auf die deutsche Staatsangehörigkeit noch etwas retten. Damals war das nicht so abwegig, auch wenn „Blut“ eher symbolisch gemeint war im Sinne einer Verwandtschaft gleiche Werte zu teilen, die man den Deutschen zugeschrieben hat. Man hat es ja in den Reichsstädten und deutschen Einzelstaaten versucht, es „rein“ zu halten. Wer in eine andere Stadt oder Gemeinde zog, musste nachweisen, dass er kein „Gesindel“ war, ausreichend Geld besaß, christlichen Glauben hatte und/oder einen Beruf konnte, mit dem er für die Gemeinde nützlich sein konnte. Man redet ja bei Adligen ohne Bedenken auch immer über „blaues Blut“, obwohl man sich Gedanken machen sollte, ob da nicht Unmengen an Bastarden und Kuckuckskindern darunter sind, wo die Linie auch mal eine Bluttransfusion nötig hätte. Vielleicht hätte der Herr Hess es lieber satirisch aufs Korn nehmen sollen, dass dieser Dödel gut 100 Jahre zu spät dran ist. Ihm ist bald aufgefallen, dass seine „Satire“ unter dem Bild auf der eigenen Seite fehlt. Das holte er dann nach und später löschte er den ganzen Post aber der Alexander bemerkte, dass das zu spät gewesen war, denn

die Sache hatte längst online Fahrt aufgenommen.

Ja, lieber Alexander, ich lese ja fast täglich Euer Blatt beim Schwiegervater mit – vor allem wegen der Todesanzeigen – und ich weiß, dass die allermeisten Beiträge nur von dpa-Meldungen abgeschrieben werden. Nur die Überschriften werden dann noch links-grün aufgepeppt, schließlich ist Euer Verlagshaus in Passau auf der Landkarte am unteren, äußersten rechten Rand auf der Landkarte. Da muss man von vorneherein sich stetig als einer von den Guten outen, um nicht in den Verdacht rechter Gesinnung zu kommen. Deshalb gibt es auch Dich, Alexander, als gesinnungswächterische Wühlmaus.

Da steht also etwas auf der Facebookseite eines über 70-jährigen Stadtrates. Da fragt man sich, wer außer seinen 444 Freunden so etwas liest, außer den engeren Freunden oder den CSU-Anhängern, die etwas über deren Veranstaltungen erfahren wollen. Schließlich hieß es im Text, es hagelte kritische Kommentare. Und der nächste Satz lautete:

Die Seite „Linksjugend solid Landshut“ veröffentlichte einen Screenshot des Beitrags und schrieb dazu: „Das ist Willi. Willi ist sehr, sehr besorgt. Und Willi ist auch Stadtrat der CSU-Landshut. Einen richtig tollen Typen habt ihr da.“

Und dann heißt es weiter, der Wirbel der einsetzte war gewaltig, Medien aus gang Bayern stürzten sich auf die Geschichte… Da muss ich mal daran erinnern, dass die PNP auch zu den Medien zählt und nicht einfach an der Seitenlinie steht und schaut, was die anderen Medien machen und sich an passender Stelle einklinkt. Das ist ziemlich verlogen vom Alexander, denn dies ist der erste Artikel, wo ich darüber lese und normalerweise sind die alternativen Medien wesentlich schneller, wenn sich linke Fuzzis auf jemanden mit der angeblich falschen Gesinnung einschießen. Woher weiß dann der Alexander die Geschichte? Schließlich müsste er ja die „rechtspopulistischen“ Portale abgrasen, um überhaupt etwas Anderes zu erfahren neben den vorgefertigten Meldungen aus den linken Stiftungen oder NGOs, offiziellen Stellungnahmen von Mutti&Co und dem dpa-Siff. Da liegt es doch viel näher, dass der Alexander regelmäßig bei linksjugend-solid mitliest, der linksextremistischen und sozialistische Jugendorganisation. Oder der Alexander ist aktiv dabei, sich als Helfer des Verfassungsschutzes anzudienen, denn Denunzieren und Bespitzeln für die gute Sache heißt sich inzwischen Zivilcourage, und will so vielleicht Browni-Punkte für die weitere Karriere sammeln. Da genügt es als Haltungs-Journalist aus der zweiten Reihe der „Verfehlung“ objektiv eine halbe Zeitungsseite zu widmen. Dabei ist hier „objektiv“ nur geschehen, dass ein älterer Herr sich als einer von den Guten outen wollte, indem er einen rechten Post anprangerte, der zwar bescheuert ist, aber mit Hass oder Hetze nichts zu tun hat. Bis der Willi über so einen kommt, ist dieser von den Gesinnungswächtern im Netz schon mehrfach rauf und runter samt dem Urheber und seinem Umfeld an den Pranger gestellt worden. Der Willi wollte halt auch mal bei den ersten sein und hat sich durch mangelndes technisches Know-How selbst dieser Meute ausgeliefert.

Nun merkt man auch bei Alexanders Artikel zwischen den Zeilen, dass es für Leute, die nicht so bewandert sind mit den sozialen Netzwerken, ein Problem ist, zu erkennen, dass „teilen“ und „teilen“ zwei unterschiedliche Dinge sind. Wer böse Sachen teilen will, um sie anzuprangern, der muss das auch dazuschreiben, denn der Grund des Teilens bleibt ja verborgen, ob es Zustimmung oder Ablehnung suggerieren soll. Da würde auch kein Bottom helfen, wo man in Abstufungen seine Haltung gleich mitliefern kann. Schließlich lässt sich das gut zur Ironie missbrauchen und kann missverstanden werden, außer bei denen, die sich pausenlos als Kämpfer gegen Rechts generieren; Orden sind dafür ein besonderes Kennzeichen.

Dabei ist der Originalpost mit einigem Abstand gar nicht so blöd und hat vielleicht eine andere Botschaft, denn man kann davon ausgehen, dass unter den Facebook-Freunden keiner ist, der so einen wirren Blut-und-Boden-Krempel schreibt und es noch mit einem Bild kombiniert, dass von einem Wahlplakat der 30iger stammen könnte. Also naheliegend ein Volldepp. Da bekommt der zweite Satz einen ganz anderen Touch. Es gibt sozusagen den noch größeren Volldeppen, der glaubt, er könnte mit einem getippten Formular jeden Orientalen zu einem Deutschen adeln. Und das ist kein gewissenloser Schreiberling, der das für völlig unbedenklich hält, als Kollateralschaden unzählige Sitzkreise zu produzieren, wie man die migrantische Herkunft eines Straftäters dem Pressekodex gemäß am besten verschweigt. Dann hätte er nämlich Idiot geschrieben, denn der rafft das ohnehin nicht, während der Voll-Depp ja wie der Blut-und-Boden-Heini das unter Vorsatz macht, weil er fest daran glaubt.

Als Folge bekommen wir dann auch in den Artikeln der PNP immer „deutscher Staatsangehöriger“, „Passdeutscher“ oder „Deutscher“ präsentiert, wenn jemand gemessert wird. Dabei weiß auch der Leser aus dem hintersten Wald inzwischen, dass ein deutscher Täter immer mit Bild und vollem Namen oder wenigsten mit Frank, Werner oder Hans vermeldet wird. Das haben sie jetzt auch bei der PNP geschnallt und schreiben „ein Mann“, sozusagen den namenlosen Einmann, der nicht Bastian, Kurt oder Felix heißt. Wer nach der nichtssagenden PNP-Morgenlektüre an der Tankstelle vorbeikommt, der kriegt dann den Einmann in der BILD mit Bild, auch, wenn er nicht von hier ist.

Ja, es gäbe so viele Themen, zu denen es nur die vorgefertigten Meldungen gibt und wo es sich für einen Journalisten lohnen würde, mal am Mainstream vorbei zu recherchieren. Sei es der Brexit, die US-Demokraten oder das Bürgerkriegsland Schweden. Doch der Alexander richtet seinen Blick nur nach innen, sozusagen ins innerste der richtigen politischen Gesinnung. Bei sich selbst und anderen. In einer normalen Welt hätte man den Willi im engeren Kreis vielleicht ein wenig auf den Arm genommen und ihm den einen oder anderen Tipp für die sozialen Netzwerke gegeben. Heute schafft man es, dass man aus Unbeholfenheit ein Missverständnis produziert, für das man von den linken Haltungsmeute sofort gerissen wird. Wer sich bei den Profis der Netzbereinigung und der professionellen Bestürzung einmischt, sollte wissen, dass der von ihnen keine Nachsicht erwarten kann, wenn das nicht mit der angemessenen Professionalität geschieht.

 

 

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