Warum wir über die politische Stimmungslage irren.

Ziemlich genau die Hälfte der Bundesbürger sind mit der Arbeit der Bundeskanzlerin zufrieden, nur etwa 25% mit der Groko, etwas weniger hat keine Meinung. Gleichzeitig verbreiten die Medien, dass die sie rekordverdächtig gute Arbeit macht, während die Kritiker durchweg als Rechtspopulisten und Rechtsradikale bezeichnet werden. Etwa 70% der Deutschen meinen, dass sie nicht überall offen ihre Meinung sagen könnten. In meinem persönlichen Umfeld und bei auch allen Zufallsbekanntschaften, stelle ich fest, dass mir in den letzten beiden Jahren niemand untergekommen ist, der die Arbeit Merkels positiv bewerten würde oder Angst vor einem drohenden Weltuntergang durch den Klimawandel hätte. Die Politik wird durchweg als Irrsinn bezeichnet, unvergleichlich zu allen vorhergehenden Regierungen. Nun könnte man ins Blaue hineinvermuten, dass die Umfragen völlig getürkt sind. Doch die Wahlausgänge zeigen, dass die etablierten Parteien, die weitgehend die gleiche Politik betreiben oder befürworten, immer die deutliche Mehrheit haben. Viele denken aus dem Widerspruch zu persönlichen Erfahrungen, dass auch die gefälscht sein müssten. Es lässt sich für sie aber nicht leugnen, dass immer wieder zehntausende Menschen gegen Rechts und Klimawandel mobilisiert werden können.

Ich habe mir in letzter Zeit schon öfter Gedanken gemacht woher die Diskrepanz zu den eigenen Erfahrungen kommen könnte. Unter den Personen, die ich kenne bzw. kennengelernt habe und die derzeitige Politikergilde als völlig unfähig ansehen, ist kein einziger, dem ich es zutrauen würde, irgendwelchen Hass oder Hetze im Internet zu verbreiten, denn auch, wenn sie unter vier Augen völlig offen reden können, weil sie meine Position kennen, fallen eher harmlose Worte, mit denen sie betitelt wird. Eigentlich ist man völlig ratlos wie das öffentliche Meinungsbild, das verbreitet wird, zustande kommt, denn, wer sich mit mathematischen Stichproben auskennt – und ein politisches Gespräch mit einem Unbekannten ist nichts anderes- der stellt fest, dass die Wahrscheinlichkeit für dieses Meinungsbild sehr unwahrscheinlich ist. Andererseits lassen sich ohne großen Aufwand Aktionen gegen Rechts organisieren, wo zwar auch die linken Berufsdemonstranten auftauchen, aber trotzdem die Mehrheit aus der mobilisierten Bevölkerung kommt. Man sehe sich nur die Interviews mit Demonstranten von Michael Stürzenberger oder Roger Beckamp an. Diese Leute müssen für sich annehmen, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit auf Gleichgesinnte trifft, denn kaum einer will dafür stigmatisiert werden oder gar Nachteile erfahren, wenn er Gesicht zeigt. Dass beides gleichzeitig wahrscheinlicher ist, ist nicht möglich, so kann es nur an der Auswahl der Personen liegen, mit denen man ins Gespräch kommt. Und da kommt ins Spiel, dass 70% sagen, sie könnten nicht mehr überall ihre Meinung frei äußern, und das können aber nicht wie zu vernuten wäre, nur solche sein, die die derzeitige Politik kritisieren.

Ich unterhalte mich gerne über Politik, dränge mich aber nicht auf, sondern mache einfach einen Trigger, eine ironische Bemerkung zu bestimmten Zuständen, wenn es gerade passt. Dann merkt man schon, ob jemand interessiert ist.

So konnte ich einiges beobachten. Politische Diskussionen über einen ganzen Tisch hinweg im Wirtshaus gibt er gar nicht mehr und da saßen viele zusammen, die auch völlig unterschiedlicher Meinung waren. Seit einigen Jahren geht das nur noch unter vier Augen oder höchstens zu dritt, schließlich kann ich aus eigener Erfahrung, dass man an der Arbeitsstelle nicht gerade Vorteile hat, wenn man sich eher rechts positioniert. Auffällig ist, dass solche, die sich eher links oder links-grün positionieren an einer tieferen Diskussion nicht interessiert sind oder auch nicht wirklich etwas dazulernen wollen. Besonders Frauen, die den menschengemachten Klimawandel für eine Realität halten, drehen sofort ab, wenn man Grundlast oder mit Klimasensitivität kommt. Mehrmals erlebte ich, dass die sagten, dass sie da nichts sagen könnten, sie hätten schon in der Schule keine Ahnung von Mathematik und Physik gehabt. Sind ihnen allerdings mehrere, wiederholen sie selbstbewusst alles, was sie in den Medien über Trump, Brexit, Klimawandel oder AfD aufgeschnappt haben und werfen es in die Diskussion. Ich habe gehört, dass… Völlig unmöglich mit denen irgendein Thema mal isoliert zu betrachten, weil einfach Null an Grundlagen da sind.

Bei politisch ähnlich gepolten Männern erlebte ich, dass sie mich sofort für rechts und Verschwörungstheoretiker hielten, wenn man sagte, dass die Leitmedien meistens Bullshit erzählen und ihnen auch Beispiele gibt. Einer meinte ganz entgeistert: Meinst du die lügen alle? Der Gesichtsausdruck sagte mir, dass ich da besser nicht mit ja geantwortet habe. Allerdings meine ich, dass er nur deshalb so reagierte, weil man die Arbeitskollegen im Rücken weiß und sich das gute Verhältnis in diesem Netz nicht verderben will.

Irgendwie bekommt man ein gewisses Gefühl dafür, wann Leute, die ähnlich ticken wie man selbst, mit ihrer Meinung aber gewöhnlich hinter dem Berg halten. Wenn man sich „outet“, dass man Merkel und die Regierungspolitik für ein völliges Desaster hält oder die Energiewende für völligen Humbug, dann sind diese Leute oft sehr gut informiert. Man merkt, dass sich viele nicht nur im Mainstream informieren und insgesamt einen so gesunden Menschenverstand haben, dass sie zum Beispiel die Unmöglichkeit der geplanten Energiewende sehen. Sind meist Leute über 50, die einfach von der Schulzeit noch genügend Physik und Chemie parat haben. Und, oh Wunder, es sind meist Leute, die selbst Betroffene dieser Politik sind. Bei uns Bahnbedienstete, Polizisten, Selbstständige die selbst ausbilden, Leute, die auf Montage arbeiten. Gut, wenn man von der gleichen Berufsgruppe schon jemanden kennt, denn dann kann man anknüpfen, an Dinge, die man schon von anderen gehört hat. Manche bestätigen das dann oder halten es aus eigener Erfahrung für einen Ausnahmefall. Das gibt dann insgesamt ein ziemlich realistisches Bild.

Ich erlebe im letzten halben Jahr immer häufiger, dass auch andere einen „Trigger“ setzen, weil es ihnen auf den Nägeln brennt. Die Folge ist aber, dass natürlich mit der Zeit alle die gleiche Strategie anwenden, nicht an die Falschen zu geraten, vor allem, wenn es das persönliche oder berufliche Umfeld geht. Manchen sieht es man ja schon an, ob sie sich ausschließlich über Fußball oder Formel1 bzw. über Beauty und Kochrezepte unterhalten oder von Haus aus voll grün ticken. Bei Gymnasiallehrer, „Kulturschaffende“ oder irgendwas mit evangelischer Kirche redet man dann lieber übers Wetter oder bleibt ganz unverbindlich, wenn es über Politik geht.

Kein Wunder, dass man am Ende selbst niemanden mehr trifft, der jemanden kennt, der Merkel und den Regierungsirrsinn toll finden. Da ich sozusagen ein „Schnittstelle“ zu Leuten habe, mit eher links-grüner Gesinnung, weiß ich am eigenen Leib, wie es läuft. Die lassen es einen merken, dass man mit seinen nicht-linken Positionen allgemein nicht wirklich dazugehört. Man ist der letzte der etwas erfährt und wird nie richtig warm mit denen. Wenn man mitbekommt, wie sie über andere herziehen, die nicht ihre Lebensweise oder Werte teilen, dann kommt es mir eher vor, als würden sie dadurch nur bestätigen wollen, dass sie dazugehören. Genau diese Leute sind es, die sich das Maul darüber zerreißen, wenn ich in meinem Auto immer viel Zeug rumfahre und es zu putzen für Zeitverschwendung halte.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass dort auch die höher gebildeten ihre Informationen ziemlich selektiv zusammensuchen und, wenn man dann vor allem, wenn es um Dinge geht, wo der gesunde Menschenverstand einen Widerspruch sieht, dann verweisen sie darauf, was sie im SPIEGEL gelesen oder in einem Politmagazin gesehen hätten. Die wollen nicht wirklich diskutieren oder einer Sache auf den Grund gehen. Es ist doch auffällig, dass die linken Eliten inzwischen sagen, man dürfe rechten Positionen rag keine Plattform bieten oder „Klimaleugner“ erst gar nicht zu Diskussionen einladen. Man entwickelt von oben angefangen auf allen Ebenen eine Art Wagenburgmentalität, die sich sogar mit der eigenen Erfahrung decken. Gleichzeitig hypt man die links-grünen Ansichten in den Medien so flächendeckend, dass jeder glauben muss – diese würden von der großen Mehrheit geteilt.

Dadurch lässt sich auch begründen, dass man als jemand, der unser Land inzwischen für vollverblödet hält, die EU für ein Politbüro und die Leitmedien für ein linksgrünes Shithole, nur Leute kennenlernt und ins Gespräch kommt, die das ebenso sehen. Die kleine Vorsicht, im Zweifel lieber den Mund zu halten und die Mentalität Linksgrüner keine tiefere Diskussion zu wünschen, führt eben dazu, dass sich die beiden Lager unter den Bürgern fast von allein trennen. Dazu kommen jetzt alle, die generell politisch wenig interessiert sind, und aus Tradition immer die gleiche Partei wählen.  Nimmt man dazu, dass nur 15 Millionen die Steuergelder für den Rest erwirtschaften und viele eher an den kurzfristigen, persönlichen Vorteil denken, wenn sie wählen – Rentner, Sozialhilfeempfänger, Asylindustrielle und deren Angestellte, BAföG-Berechtigte, usw.- dann ist auch klar, dass sich auch ein Umschwung in den politischen Einstellungen kaum auf Wahlergebnisse im Bund auswirkt.

Dass wir vor allem im Bereich der Informatik abgehängt sind, Industrien wegen der Zustände ins Ausland abwandern und die Einkommen nur noch im staatlichen und subventionierten Sektor mithalten, zeigt, dass es aber so nicht weitergehen wird. Erst, wenn die Folgen unserer Irrsinnspolitik voll durchschlagen, wird sich etwas ändern. Dass man in diesem Moment viele Leute kennt, die das haben kommen sehen, dafür kann man sich dann auch nichts mehr kaufen.

2 Gedanken zu “Warum wir über die politische Stimmungslage irren.

  1. „Ich habe gehört …“ – Frauen kenn ich auch.

    Sie: Ich hab gehört, dass man bei Kartoffeln die Schale nicht mitessen darf.
    Ich; Es kommt nur auf Augen und Triebe an, nicht auf die Schale selbst.
    Wochen später
    Sie: Ich hab jetzt wieder gehört, dass man gerade bei älteren Kartoffen die Schale nicht mitessen soll.
    Ich: Es kommt immer noch darauf an, wo es keimt oder nicht und sonst auf nichts.
    Wochen später
    Sie: Ich hab gerade wieder gehört, dass man Kartoffeln nicht ungekocht essen darf.
    Ich: Das Gift in den Kartoffeln ist hitzebeständig. Es ist egal, ob und wie lange du kochst. Du musst darauf achten, dass sie keine keimenden Stellen hat.

    Gleiche Frau ist nachlässig, wenn es um Augen und grüne Stellen geht.

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  2. Nur harte Faktenlage, eine stringente Linie, und die Hosenscheisser an die Wand schieben. In meiner Familie, bin ich auch immer der Buhmann, wenn ich mit ausgesuchten Widerspruechen, um die Ecke komme. Aus dem Arbeitsleben, bin jetzt Rentner, habe ich mir oefter die Schnauze verbrannt, bin an die Leitung herangetreten, als dann die restliche Belegschaft, die vorher meine Meinung vertreten hatte, um ihre Meinung gefragt wurde, und ob auch sonst jemand meiner Meinung war, betretenes Schweigen , und wegducken. Eine nicht unerhebliche Zahl der Menschen ist einfach feige, ignorant und bequem. Meine Familie , meide ich, weil es nur Zoff gibt, ich sowieso nicht nachgebe,(der kluegere gibt nach, saudummer Spruch), und mir noch nie im Leben habe sagen lasse, wie und was ich zu denken habe. Wenn jemand meine Einstellung, und Art und Weise, wie ich mich benehme, was ich wann und wie sage , nicht passt, muss er oder sie, sich halt tatkraeftige Argumente einfallen lassen, um mich umzustimmen, oder einfach nach Hause gehen. Habe einfach, auf dem letzten Meter, meines Lebens, keinen Nerv mehr, mich mit Befindlichleiten, oder sonstigem, wie auch immer gearteten Nonsens, meine Zeit Zu verplempern………………..Gruss aus der daenischen Bibliothek.

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